Fechtweltmeister Malcotti: Der ruhige Triumphator aus dem Wallis
Lucas Malcotti ist der erste Schweizer Einzelfechter, der einen Weltmeistertitel im Degenfechten gewinnen konnte. Am 26. Juli 2026 setzte er sich in Hongkong durch, und das mit einer bemerkenswerten Zurückhaltung. Statt lauten Jubels gab es nur einen kurzen Freudenschrei und eine kleine Handbewegung. Diese Gelassenheit überraschte viele, doch der 31-Jährige aus Savièse im Wallis erklärt sie mit einem überwältigenden Gefühl der Sicherheit.
Ein Sieg mit innerer Ruhe
„Viele Leute haben mich auf meinen fehlenden Jubel angesprochen. Aber glaubt mir, innerlich war ich sehr glücklich“, sagt Malcotti mit einem Schmunzeln. Bereits 2018 holte er mit der Mannschaft Gold, nun gelang ihm der Einzeltriumph. Die vier Tage in Hongkong beschreibt er als eine Zeit, in der alles zusammenpasste. „Schon am Donnerstag hatte ich das Gefühl, gut im Rennen zu liegen. Am Sonntag schien alles ganz einfach, als würde ich die Schläge im Voraus sehen.“ Diese mentale Klarheit führte für ihn folgerichtig zum Sieg.
Der Weg an die Spitze: Vorbild Stan Wawrinka
Malcottis Eltern Jean und Esther sind seine grössten Unterstützer. Mutter Esther betont: „Mich macht am meisten stolz, dass du viele Prüfungen durchstehen musstest. Der Spitzensport hat deinen Charakter offenbart, diesen Willen, niemals aufzugeben.“ Vater Jean erinnert sich an die unzähligen Fahrten zu Turnieren in Vevey, Freiburg, Zug und ins Tessin.
Seine Leidenschaft für den Fechtsport entdeckte Lucas Malcotti mit acht Jahren beim Campus Sacré-Cœur in Sion. „Vielleicht war es der Zorro-Aspekt“, sagt er rückblickend. Obwohl er nicht zu den talentiertesten Nachwuchsfechtern gehörte, zeichnete ihn ein eiserner Wille aus. Als Vorbild diente ihm Tennisstar Stan Wawrinka. „Wie er habe ich trainiert, trainiert, trainiert“, erklärt Malcotti. Diese Beharrlichkeit machte ihn zu einem der vielseitigsten Fechter der Welt.
Finanzielle Hürden und das nächste grosse Ziel
Der schmerzhafteste Moment seiner Karriere war das Verpassen der Olympia-Qualifikation für Paris 2024. Der Rückschlag hatte auch finanzielle Folgen, denn Malcotti ist auf Sponsoren angewiesen. Neben dem Spitzensport arbeitet er zu 25 Prozent als technischer Zeichner und Vermessungstechniker in Riddes. Diese Doppelbelastung ist für viele Schweizer Spitzensportler Realität.
Sein klares Ziel sind nun die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. „Ich muss mir mein Ticket verdienen wie jeder andere auch. Was ich mit Sicherheit weiss: Im Degenfechten ist es schwieriger, sich für die Spiele zu qualifizieren, als dort eine Medaille zu holen.“ Der Wille, es erneut zu schaffen, ist ungebrochen. Malcotti hat bereits bewiesen, dass er an die Weltspitze gelangen kann, und er will diesen Weg weitergehen.
Ein Vorbild für den Schweizer Sport
Lucas Malcottis Erfolg ist nicht nur eine persönliche Leistung, sondern auch ein Zeichen für die Stärke des Schweizer Fechtsports. Seine Geschichte zeigt, dass mit Disziplin, Ausdauer und der Unterstützung des familiären Umfelds auch in einer Nischensportart Grosses möglich ist. Für die Schweiz ist er ein Botschafter des Sports, der beweist, dass Bescheidenheit und Spitzenleistungen keine Widersprüche sind.