Black Sea Dahu: Schweizer Musikexport zwischen Erfolg und Opfer
Die Zürcher Indie-Folk-Band Black Sea Dahu gehört zu den wenigen Schweizer Musikformationen, die sich international erfolgreich etabliert haben. Doch hinter dem Glanz verbirgt sich eine harte Realität: viel Arbeit, wenig Geld und persönliche Opfer.
Vom Pfadi-Liederbuch zum internationalen Erfolg
Mit dem Song "In Case I Fall for You" gelang der Band um Bandleaderin Janine Cathrein 2018 der Durchbruch. Seither zählt Black Sea Dahu zu den erfolgreichsten Schweizer Musik-Exporten und hat sich ein stetig wachsendes internationales Publikum erspielt.
Die Formation besteht aus den Schwestern Janine und Vera Cathrein sowie drei weiteren Bandmitgliedern: Schlagzeuger Alon Ben, Keyboarder Ramon Ziegler und Bassist Pascal Eugster. Janine Cathrein entdeckte das Gitarrenspiel in der Pfadi, wo sie ihre ersten Lieder aus dem Pfadi-Liederbuch lernte.
Die harte Realität des Musikgeschäfts
Trotz des äusseren Erfolgs ist die Realität ernüchternd. "Nicht wegen der Musik, sondern wegen allem drum herum: Social Media, Pressetexte und Gesuche schreiben, die Logistik, das Design von Merch und unzählige weitere Aufgaben", erklärt Janine Cathrein ihre Überlegungen zu einer möglichen Pause.
Die Band verkörpert den konsequenten Do-it-yourself-Ansatz, was jedoch mit erheblichen persönlichen Opfern verbunden ist. "Ich hätte gerne einen Hund und einen Garten, doch das geht zeitlich einfach nicht", gesteht die Musikerin. "Je erfolgreicher die Band wird, desto mehr kommt dazu."
Musik als Lebenselixier und Trauerverarbeitung
Warum sich trotz der finanziellen und zeitlichen Herausforderungen alles lohnt, erklärt Cathrein mit bewegenden Worten: "Weil ich durch die Musik spüre, wie schön das Leben ist." Diese Verbindung zur Musik wurde besonders deutlich, als ihr Vater starb. "Als meine Mutter mich anrief, um mir mitzuteilen, dass mein Vater gestorben ist, war das Erste, was ich machte, mich ans Klavier zu setzen."
Das neue Album "Everything" entstand aus dieser Trauerverarbeitung. "Ich habe kein Album gemacht, sondern einen Ort gebaut, um die Trauer und den Verlust meines Vaters auszuhalten", beschreibt Cathrein den Entstehungsprozess. Das Gefühl des Verlusts umschreibt sie eindringlich: "Es fühlt sich an, als würde man fallen. Fallen, fallen, fallen, immer weiter."
Zwischen Geschwisterkonflikt und Therapie
Als Geschwisterpaar in einer Band zu arbeiten, bringt besondere Herausforderungen mit sich. "Wir sind Geschwister und gemeinsam in der Band. Natürlich gibt es da auch Streit. Inzwischen gehen wir deswegen sogar zusammen in Therapie", berichtet Janine Cathrein offen über die familiären Spannungen.
Trotz aller Schwierigkeiten bleibt die Musik der Antrieb. "Die Trauer ist seit dem Tod meines Vaters ein Teil von mir geworden. Aber genauso wichtig ist es, auch zu lachen, denn er tat das auch gerne, und er fände es toll, mich lachen zu sehen."
Black Sea Dahus Weg zeigt exemplarisch die Herausforderungen der Schweizer Musikszene: Zwischen künstlerischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität navigieren erfolgreiche Bands durch ein anspruchsvolles Umfeld, in dem Leidenschaft oft über finanzielle Vernunft siegt.