Sicherheitsbedenken verzögern E-ID-Einführung
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) schlägt Alarm: Die für das dritte Quartal 2026 geplante Einführung der elektronischen Identität könnte sich verzögern. Der Grund sind ungelöste Sicherheitsprobleme bei der digitalen Infrastruktur.
Verschlüsselung noch nicht vollständig
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Nutzdaten. Während der Datenaustausch grundsätzlich verschlüsselt abläuft, war die durchgehende Verschlüsselung der eigentlichen Inhalte zum Prüfzeitpunkt zwischen August und September 2025 noch nicht fertig konzipiert.
Die EFK warnt explizit: "Bei der Verschlüsselung der Nutzdaten ist dies noch nicht der Fall, womit das Risiko besteht, dass Aspekte der Sicherheit an das System angebaut werden müssen." Dies könnte zu strukturellen Schwächen führen, die später nur schwer zu beheben sind.
Identitätsprüfung noch nicht praxistauglich
Auch bei der Ausstellung der E-ID selbst bestehen technische Lücken. Die aktuelle "Public Beta" erlaubt zwar die Erzeugung einer Test-Identität per Knopfdruck, doch die spätere echte E-ID funktioniert anders. Geplant ist eine automatisierte Gesichtserkennung sowie optional ein Termin im Passbüro.
Diese Verfahren sind zwar durchdacht, aber noch nicht umgesetzt. Zudem fehlen konkrete Ende-zu-Ende-Testfälle für das gesamte System.
Reputationsrisiko für die Schweiz
Die Finanzkontrolle betont die nationale und internationale Tragweite des Projekts. Mit einem Budget von 182 Millionen Franken für Entwicklung und Aufbau sowie jährlichen Betriebskosten von 25 Millionen Franken stellt die E-ID ein bedeutendes Vorhaben dar.
Die EFK hält unmissverständlich fest: "Das Vorhaben E-ID stellt national und international ein Reputationsrisiko für den Bund dar. Sicherheit und Stabilität der E-ID sind daher in diesem Programm über Termineinhaltung für den Start zu gewichten."
Bundesamt akzeptiert Verzögerung
Das Bundesamt für Justiz hat die Empfehlung der Finanzkontrolle akzeptiert und kündigt an: "Eine Verlängerung der Programmlaufzeit und damit ein erhöhter Ressourcenbedarf werden bewusst in Kauf genommen."
Diese pragmatische Haltung entspricht schweizerischen Grundsätzen: Qualität und Sicherheit gehen vor Termindruck. Für die Bürgerinnen und Bürger, die sich auf digitale Behördengänge freuen, bedeutet dies jedoch weitere Wartezeit.
Digitale Souveränität erfordert Geduld
Die E-ID soll künftig ermöglichen, online amtliche Geschäfte zu erledigen, Verträge abzuschliessen oder das Alter digital nachzuweisen. Die Smartphone-App "Swiyu" wird dabei zum digitalen Ausweis.
Doch gerade bei einem so sensiblen Projekt ist technische Reife entscheidend. Die Schweiz kann es sich nicht leisten, mit einem unausgereiften System zu starten, das später Sicherheitslücken aufweist oder Benutzerdaten gefährdet.