Trump verschärft Iran-Kurs: Eskalation im Nahen Osten droht
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erreichen einen neuen Höhepunkt. Präsident Donald Trump und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth setzen im Nahen Osten auf eine Strategie der massiven Abschreckung. Eine radikale Drohung steht im Raum: Sollte der Iran oder seine Stellvertreter, etwa die Huthi-Miliz im Jemen, erneut Schiffe im Persischen Golf angreifen, würden die USA als Vergeltung iranische Brücken oder Kraftwerke zerstören.
Diese Ankündigung ist rechtlich und militärisch höchst brisant. Brücken und Kraftwerke sind zivile Objekte. Um den Vorwurf eines Kriegsverbrechens zu vermeiden, müsste Washington für jedes Ziel nachweisen, dass es militärisch genutzt wurde. Ein Unterfangen, das angesichts der komplexen Lage im Iran als nahezu unmöglich gilt.
Bereits im Februar hatte ein US-Angriff auf eine Schule in der iranischen Stadt Mina mindestens 160 Kinder das Leben gekostet. Dieser Vorfall hat das Bild Trumps in der Region nachhaltig geprägt. Der Vorwurf, er nehme das Leben von Zivilisten nicht ernst genug, wiegt schwer.
Bodentruppen als nächste Eskalationsstufe
Die Entsendung amerikanischer Bodentruppen wäre der folgenschwerste Schritt. Der frühere Trump-Sprecher Anthony Scaramucci, der weiterhin gute Kontakte ins Weisse Haus pflegt, äusserte sich im Podcast „The Rest is Politics: US“ deutlich. Er glaube, dass Trump selbst erkannt habe, den Konflikt ohne Bodentruppen nicht gewinnen zu können. Es sei nur eine Frage von Tagen, bis dieser „Fehler“ begangen werde.
Indizien für eine solche Vorbereitung mehren sich. Laut dem „Wall Street Journal“ haben die USA 150 Kriegsmediziner nach Europa verlegt, zusätzliche Kampfjets und Tankflugzeuge in den Nahen Osten entsandt und Spezialeinheiten in erhöhte Bereitschaft versetzt.
Eine Invasion des iranischen Festlands bleibt unwahrscheinlich
Eine klassische Invasion des iranischen Festlands gilt als unwahrscheinlich. Die Geografie des Irans begünstigt die Verteidiger. Der Iran-Irak-Krieg in den 1980er-Jahren zeigte dies eindrücklich: Der Irak verlor in den iranischen Bergen innerhalb von acht Jahren mehrere Hunderttausend Soldaten.
Denkbarer wäre ein begrenzter Angriff auf die strategisch wichtige Insel Charg. Sie ist der zentrale Öl-Hub des Irans im Persischen Golf. Ein solcher Schritt würde die Zahl der amerikanischen Todesopfer, die derzeit bei 18 liegt, mit hoher Wahrscheinlichkeit rasch ansteigen lassen.
Huthi-Miliz bedroht Welthandelsroute
Parallel zur direkten Konfrontation mit dem Iran verschärft sich die Lage im Jemen. Die Huthi-Miliz, die rund 350'000 schiitische Kämpfer umfasst, hat diese Woche zwei saudische Schiffe angegriffen. Sie droht zudem, die Meerenge Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer zu blockieren. Rund zwölf Prozent des Welthandels passieren diese nur 27 Kilometer breite Passage.
Die Huthi verfügen nicht nur über Raketen und Drohnen, sondern auch über Seeminen. Sie könnten das „Tor der Tränen“ nach dem Vorbild der iranischen Strategie in der Strasse von Hormus schliessen. Die Folgen für die Weltwirtschaft wären verheerend. Europäische Industrien, die auf Güter aus China oder Indien angewiesen sind, müssten mit wochenlangen Verzögerungen rechnen. Als Umweg bliebe nur die weite Route um das südafrikanische Kap der Guten Hoffnung.
Trump drohte den Huthi diese Woche direkt. Bisher hätten sie sich „professionell und gescheit“ verhalten, schrieb er auf Truth Social. Jeden weiteren Angriff auf Handelsschiffe würden die USA mit extremer Härte ahnden.
Fazit: Gefahr einer unkontrollierten Eskalation
Gut drei Monate vor den amerikanischen Zwischenwahlen ist Trump drauf und dran, das Chaos im Nahen Osten vollends ausser Kontrolle geraten zu lassen. Für Millionen Menschen in der Region drohen weitere Wochen voller Angst und Schrecken. Die Ölpreise stehen so hoch wie noch nie in diesem Sommer.
Ein vernünftiger Einflüsterer, der den Commander-in-Chief in Washington zur Zurückhaltung bewegen könnte, ist noch immer nicht in Sicht. Die Schweiz als traditionelle Vermittlerin könnte hier eine Rolle spielen, doch die Zeit drängt.