Trotz Verbot: Street-Parade-Fans campieren am Mythenquai
Bereits am Freitagnachmittag, einen Tag vor dem offiziellen Start der Street Parade, verwandeln Raver den Mythenquai in Zürich in einen provisorischen Campingplatz. Das Übernachten am Seeufer ist zwar verboten, doch viele Besucher ignorieren die Regel – oder kennen sie nicht. Ein Augenschein zeigt, dass die Plätze direkt am Wasser besonders begehrt sind und immer früher belegt werden.
Frühe Anreise als neuer Trend
Laut Stammgästen reisen die Teilnehmer jedes Jahr früher an. Johannes (40) und Max (28) aus Heidenheim (D) sind bereits am Donnerstagmittag eingetroffen und haben dafür zwei Ferientage bezogen. Für Johannes ist es das rund 20. Mal am Zürcher Grossevent. „Ich habe durch alte Freunde von diesem Ort erfahren – es ist der perfekte Campingplatz“, sagt er im Campingstuhl mit Blick auf den See. Die nahe gelegene Badi mache den Platz besonders praktisch: Tagsüber seien Duschen und Toiletten jederzeit zugänglich.
Max schläft im Auto. Probleme mit der Polizei hätten sie nie gehabt: „Die Polizei kommt zwar immer wieder vorbei, sagt aber nichts.“
Internationale Gäste und Familien vor Ort
Eine zehnköpfige Gruppe aus dem Trentino hat sich einen der begehrtesten Plätze direkt am See gesichert. Die Raver zwischen 20 und 45 Jahren besuchen die Street Parade seit Jahren – für einige ist es bereits das vierte oder fünfte Mal. „Wir kommen wegen der Musik, der Party und der Menschen“, sagt einer der Männer. Dass das Campieren verboten ist, wusste die Gruppe nicht. Probleme mit der Polizei habe es in all den Jahren nie gegeben.
Neben Freundesgruppen campieren auch Familien am Mythenquai. Petra (44) und ihr Bruder Martin (42) sind gemeinsam angereist; ein weiterer Bruder bringt später die 13-jährige Nichte mit. Die Jugendliche kennt die Street Parade bereits gut – ihren ersten Besuch machte sie mit acht Jahren. „Das Coolste an der Street Parade sind die vielen interessanten und tollen Menschen“, sagt Petra. Auch als Frauen fühlten sie und Martins Partnerin Stefanie (35) sich beim Campieren sicher. „Die Polizei ist immer im richtigen Moment am richtigen Ort“, sind sich die beiden einig.
Infrastruktur bleibt ein Problem
Auffällig ist, dass die Besucher jedes Jahr früher anreisen. Die Gruppe von der Lindauinsel (D) sei selbst erst am Freitagmittag angekommen – „eigentlich schon zu spät“, findet Martin. Ihren Stammplatz hätten sie nur knapp ergattert. Verbesserungspotenzial sehen die Camper vor allem bei der Infrastruktur: „Es hat immer zu wenige Toiletten“, sagt Petra. Spätestens am Sonntag, wenn Tausende abreisen, rieche es rund um die Büsche nach Urin.
Fazit: Ein wiederkehrendes Phänomen
Das Campieren am Mythenquai trotz Verbot ist kein Einzelfall, sondern ein jährliches Phänomen. Die Stadt Zürich steht vor der Herausforderung, zwischen der Freiheit der Raver und den öffentlichen Ordnungsinteressen abzuwägen. Eine konsequentere Durchsetzung des Verbots oder die Schaffung legaler Alternativen könnten eine Lösung bieten. Für die Besucher bleibt der Mythenquai jedoch der ideale Ort, um das Street-Parade-Wochenende zu beginnen – mit oder ohne Erlaubnis.