Ohrid: Ein unterschätztes Reiseziel mit historischer Tiefe
Die Stadt Ohrid in Nordmazedonien verbindet antike Geschichte, kulturelles Erbe und eine einzigartige Naturlandschaft. Für Reisende aus der Schweiz bietet sich ein Ziel, das fernab des Massentourismus liegt und dennoch mit bedeutenden Sehenswürdigkeiten aufwartet. Der Ohridsee, als ältester See Europas bekannt, und die Altstadt mit ihren osmanischen Einflüssen prägen das Bild dieser Region.
Welche historischen Stätten prägen Ohrid?
Das antike Amphitheater, das ursprünglich von den Griechen erbaut und später von den Römern erweitert wurde, ist eines der beeindruckendsten Bauwerke der Stadt. Unter den Sitzreihen befinden sich noch die Räume, in denen einst Raubtiere für die Arenakämpfe gehalten wurden. Heute dient das Theater als Kulisse für das Ohrid Summer Festival und bietet Besuchern einen weiten Blick über die Stadt und den See.
Ein weiteres bedeutendes Zeugnis der Vergangenheit ist das Kloster Sveti Naum am Südufer des Sees. Das zwischen 893 und 900 errichtete Gotteshaus zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe und beeindruckt mit gut erhaltenen Fresken. Auch wenn das Kloster im 19. Jahrhundert weitgehend zerstört wurde, blieb die Klosterkirche erhalten und zieht bis heute Pilger und Touristen an.
Warum ist der Ohridsee ökologisch bedeutend?
Der Ohridsee erstreckt sich über 30 Kilometer Länge und 15 Kilometer Breite und ist damit dreimal so gross wie der Vierwaldstättersee. Mit einem geschätzten Alter von 1,4 Millionen Jahren gilt er als der älteste See Europas. Die UNESCO schützt das Gewässer als Natur- und Kulturerbe. Gespeist wird der See durch unterirdische Karstquellen, die für eine konstante Wasserqualität und das charakteristische kristallklare Wasser sorgen.
Für Ornithologen ist allerdings der benachbarte Prespasee von grösserem Interesse. Dort brüten und überwintern seltene Vogelarten, darunter Rosa- und Krauskopfpelikane. Die beste Zeit für Beobachtungen sind die Zugvogelsaison im Frühjahr und Herbst, insbesondere am Strand von Dupeni.
Wie präsentiert sich die kulinarische und architektonische Seite?
Die Gastronomie in Ohrid ist geprägt von regionalen Spezialitäten. In den Fischrestaurants an der Kaneo-Uferpromenade dominieren panierter Karpfen und Aalgerichte. Die Ohrid-Forelle, einst ein lokaler Favorit, ist inzwischen selten geworden und stammt meist aus Zuchtbetrieben. Wer traditionelle mazedonische Küche sucht, findet in den Tavernen der Altstadt Gerichte wie Tavče gravče oder Turli Tava.
Die Altstadt selbst ist ein Labyrinth aus gepflasterten Gassen, das sich den Hügel hinaufzieht. Die weissen Häuser aus der osmanischen Ära sind ein markantes Merkmal: Sie ragen nach oben hin immer weiter über die Strasse hinaus. In der Fussgängerzone, der sogenannten čaršija, reihen sich Geschäfte und Cafés unter jahrhundertealten Platanen aneinander.
Welche Aktivitäten bietet die Umgebung?
Der Galičica-Nationalpark vor den Toren der Stadt bietet Wander- und Velorouten. Der höchste Gipfel, der Magaro, erreicht eine Höhe von 2255 Metern und ist nur für trainierte Bergsteiger geeignet. Für eine besondere Perspektive sorgen Tandemflüge, die von einer Rampe auf 1760 Metern starten und einen Blick auf beide Seen ermöglichen.
Die Kirche des heiligen Johannes von Kaneo, im 13. Jahrhundert auf einem Felsvorsprung errichtet, ist die meistfotografierte Sehenswürdigkeit der Stadt. Ihre Lage unmittelbar über dem See und das Panorama der umliegenden Berge machen sie zu einem beliebten Motiv.
Welche Bedeutung hat Ohrid für die Region?
Ohrid wird aufgrund der hohen Dichte an mittelalterlichen Kirchen oft als „Jerusalem des Balkans