Regeneration nach der Saison: Wie Alpen-Athleten die Pause nutzen
Der alpine Skisport fordert den Körper und den Geist auf höchstem Niveau. Nach dem Abschluss des Weltcup-Zyklus 2025/26 beginnt für die Athleten die phase der physischen und mentalen Regeneration. Die Wahl der Erholungsorte und methoden variiert dabei erheblich, wobei insbesondere die Schweizer Kadermitglieder unterschiedliche Strategien zur Rekonvaleszenz und Vorbereitung auf die nächste Saison wählen.
Schweizer Athleten zwischen Reha und aktiver Erholung
Für die Schweizer Delegation steht nach dem Saisonende die gezielte Erholung im Vordergrund. Joana Hählen hat ihre aktive Karriere beendet und passt ihre Aktivitäten der neuen Lebensphase an; sie verbringt ihre Zeit nun vermehrt am und auf dem Wasser. Die Nidwaldnerin Delia Durrer, die als Schweizer Speed-Hoffnung gilt, sucht nach den anstrengenden nationalen Meisterschaften nach dringend benötigter Erholung, hält den genauen Ort jedoch diskret. Thomas Tumler zieht es in die Karibik, wo er das Surfen und die Ruhe sucht, ohne dabei den Kontakt zu seinem Heimatklub FC Bayern München zu verlieren. Corinne Suter wechselt ebenfalls die Szenerie und sucht die wärmeren Gefilde, während die amtierende Vize-Weltmeisterin im Slalom, Wendy Holdener, vor Mikronesien mit einem Katamaran das Meer befährt. Franjo von Allmen, dreifacher Olympiasieger, wählt den Weg der aktiven Erholung und durchquert mit dem Mountainbike steiles Gelände, anstatt sich am Strand auszuruhen.
Rekonvaleszenz nach Verletzungen
Für einige Athleten steht die Pause im Zeichen der medizinischen Rehabilitation. Marco Kohler, der sich in Kitzbühel das Kreuzband gerissen hat, verbringt seine Reha-Pause im sonnigen Florida. Stephanie Jenal, deren Comeback wegen starker Knieschmerzen vorzeitig abgebrochen werden musste, suchte Erholung in der Dominikanischen Republik. Auch die Österreicherin Katharina Liensberger kombiniert ihre Therapie nach einem Kreuzbandriss mit Aufenthalten im steirischen Thermenland und in Kroatien, um neue Energie für das anstehende Comeback zu sammeln. Lindsey Vonn schliesslich kämpft sich nach ihrem schweren Sturz bei den Olympischen Spielen in den Alltag zurück und nutzt kurze Abstecher ans Meer zwischen den Trainingseinheiten zur mentalen Entlastung.
Internationale Kader auf der Suche nach Ausgleich
Das internationale Feld zeigt diverse Präferenzen für die postseasonale Erholung. Mikaela Shiffrin und Aleksander Aamodt Kilde suchen den Ausgleich in Florida und auf dem Golfplatz. Federica Brignone zieht es auf die Kanaren und die Malediven, wo sie gemeinsam mit ihrem Partner James Mbaye taucht und surft. Giovanni Franzoni tauscht die Ski gegen das Surfbrett, eine Disziplin, in der auch Marco Odermatt regelmässig reüssiert. Sofia Goggia wählt bewusst einen rustikalen Aufenthalt auf den Philippinen ohne Luxus, um den Alltag zu durchbrechen. Andere, wie Lucas Braathen, weilen in Brasilien, Henrik Kristoffersen verbringt Familienzeit vor dem Geschwisterzuwachs, und Anna Swenn-Larsson erkundet mit ihrem Partner Japan. Lara Colturi erkundet ihre Heimat Albanien mit dem Van.
Warum ist die postseasonale Regeneration für Ski-Profis so wichtig?
Der alpine Skisport beansprucht den Bewegungsapparat über Monate hinweg extrem. Ohne eine strukturierte postseasonale Regeneration steigt das Verletzungsrisiko für die folgende Saison signifikant an. Die Pause dient dem muskulären Abbau von Defiziten und der mentalen Distanzierung vom Wettkampfdruck.
Welche Erholungsstrategien bewähren sich im Spitzensport?
Es zeigen sich zwei grundsätzliche Ansätze. Der passive Rückzug an Orten mit warmem Klima dient der mentalen Entspannung und dem Stressabbau. Die aktive Regeneration, wie sie Franjo von Allmen oder Leona Popovic auf dem Velo praktizieren, hält den Kreislauf in Schwung, ohne die Gelenke wie im Ski-Training zu belasten. Beide Methoden zielen auf die Wiederherstellung der vollen Leistungsfähigkeit ab.
Die Saisonpause ist kein Stillstand, sondern ein strategischer Bestandteil des Leistungszyklus. Die Vielfalt der gewählten Erholungsorte und methoden belegt, dass es den standardisierten Weg zur Regeneration nicht gibt. Jede Athletin und jeder Athlet muss den individuellen Weg finden, um nach den physischen und psychischen Belastungen des Winters die Grundlage für den nächsten Weltcup-Zyklus zu legen.