Meryl Streep: Eine amerikanische Institution mit Schweizer Wurzeln
Meryl Streep, die als eine der grössten Schauspielerinnen Amerikas gilt, blickt auf eine Karriere zurück, die mehr als vier Jahrzehnte umfasst. Sie ist nicht nur für ihre schauspielerische Brillanz bekannt, sondern auch für ihre bemerkenswerte Beständigkeit. Weniger bekannt ist, dass ihre Familie tiefe Wurzeln in der Schweiz hat. Ihr Urgrossvater Wilhelm Balthasar Huber, ein Sohn eines Innerschweizer Taglöhners, wanderte im Alter von 17 Jahren nach Amerika aus. Diese schweizerische Herkunft mag erklären, warum Streep trotz ihres Hollywood-Ruhms stets eine gewisse Bodenständigkeit bewahrt hat.
Die Anfänge: Von einer Beschimpfung zum Durchbruch
Ihre Karriere begann mit einer schmerzhaften Lektion. 1975 stellte der Sohn des italienischen Filmproduzenten Dino De Laurentiis die junge Schauspielerin für die Hauptrolle in King Kong vor. De Laurentiis musterte sie und murmelte auf Italienisch: Che brutta!
(Wie hässlich). Streep verstand die Sprache und war zutiefst verletzt. Sie versuchte sogar, auf ihrer Nase zu schlafen, um deren Form zu verändern. Der Film wurde ohne sie gedreht. Heute, mit 77 Jahren, erinnert sie sich an diese Demütigung als ernüchternd für eine junge Frau
.
Doch Streep liess sich nicht entmutigen. Neben dem Theaterspielen putzte sie Pissoirs, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ihr grosses Vorbild war Robert De Niro. Über ihn sagte sie: Seine Stärke liegt nicht in dem, was er sagt oder tut, sie liegt in dem, was er tun könnte. Als Schauspieler ist er total unvorhersehbar, bescheiden, zurückhaltend und wahrhaftig.
Diese Eigenschaften sollte sie später selbst verkörpern.
Der Durchbruch: Holocaust und die ersten Oscars
1978 feierte Streep ihren Durchbruch in der TV-Serie Holocaust. Die Serie schilderte das Schicksal einer jüdischen Familie im Zweiten Weltkrieg und trug massgeblich zur öffentlichen Aufklärung über die NS-Gräuel bei. Streep spielte eine Deutsche, die mit einem Juden verheiratet ist, und gewann dafür einen Emmy. Es war der Beginn einer beispiellosen Preissammlung, die bis heute drei Oscars und 18 weitere Nominierungen umfasst.
Im selben Jahr erschien das Vietnamkriegs-Drama The Deer Hunter, ihr erster Film mit De Niro. Der Dreh war auch persönlich bedeutsam, da ihr damaliger Freund John Cazale unheilbar an Lungenkrebs erkrankt war. Der Film erlaubte dem Paar, noch etwas mehr Zeit miteinander zu verbringen.
Sexismus in Hollywood: Die Kramer-Kontroverse
1979 folgte das Scheidungsdrama Kramer vs. Kramer. Streep schrieb ihren Text für die berührende Gerichtsszene selbst und gewann ihren ersten Oscar. Doch die Dreharbeiten waren von einem unerträglichen Sexismus geprägt. Ihr Co-Star Dustin Hoffman schlug sie ohne Vorwarnung ins Gesicht, warf ein Glas an ihrem Kopf vorbei und flüsterte ihr Gemeinheiten über den verstorbenen Cazale ins Ohr. Alles, um ihre emotionale Reaktion vor der Kamera zu provozieren. Streep spricht heute offen darüber und sagt: Heute käme er dafür ins Gefängnis.
Die Schweizer Wurzeln und die Prägung durch die Familie
Vielleicht liegt die Disziplin, die Streep auszeichnet, nicht nur in der Ermahnung ihrer Mutter begründet, sondern auch in ihrer väterlichen Abstammung. Ihr Urgrossvater Wilhelm Balthasar Huber war der Sohn eines Innerschweizer Taglöhners. Er wanderte mit 17 Jahren nach Amerika aus und machte Karriere als Eishändler. Seine Tochter Helena heiratete einen Spross der aus Deutschland eingewanderten Familie Streeb, die sich später Streep nannte. Aus dieser Verbindung entstammt Meryl Streeps Vater. Diese schweizerische Herkunft mag erklären, warum Streep stets eine gewisse Zurückhaltung und Präzision an den Tag legt.
Das Comeback und die Anti-Trump-Rede
Obwohl Streep nie pausierte, wurde ihr 2006 ein grosses Comeback als Chefredaktorin Miranda Priestly in The Devil Wears Prada bescheinigt. Mit Mitte 50 galt sie in Hollywood als uralt
, doch sie bewies das Gegenteil. Ihr That's all
wurde zum Ausdruck absoluter Autorität. Die Welt wurde süchtig nach ihr. Sie kommentierte den Ageism in Hollywood mit einem Bonmot: Als ich 40 wurde, bot man mir in einem Jahr drei Rollen als Hexen an. Das war ein Zeichen.
2017 hielt sie eine bemerkenswerte Rede bei den Golden Globes, in der sie Donald Trump kritisierte, ohne ihn namentlich zu nennen. Sie bezog sich auf sein Nachäffen eines behinderten Reporters: Respektlosigkeit lädt ein zu Respektlosigkeit. Gewalt verleitet zu Gewalt. Wenn die Mächtigen ihre Position dazu benutzen, um andere zu tyrannisieren, so verlieren wir alle.
Trump reagierte prompt und nannte sie überschätzt
.
Eine normale Frau in Hollywood
Meryl Streep ist keine Aktivistin wie Jane Fonda. Sie greift nicht zum Megaphon. Lieber ist sie die Launige, Lustige, die sich von Kolleginnen veralbern lässt. Sie kauft Produkte vom Biobauern, kann sich bei Austern nie zurückhalten, und ihr grösster Luxus ist es, bereits am Nachmittag Champagner zu trinken. Sie und ihr Mann Don Gummer trennten sich 2017 nach 40 Jahren still und heimlich. Heute soll sie mit Martin Short glücklich sein.
Auf die Frage von Stephen Colbert, wie sie ihr künftiges Leben in fünf Worten beschreiben würde, antwortete sie: Very, very, very, very long.
Wie beruhigend.
FAQ
Welche schweizerischen Wurzeln hat Meryl Streep?
Ihr Urgrossvater Wilhelm Balthasar Huber war der Sohn eines Innerschweizer Taglöhners. Er wanderte mit 17 Jahren nach Amerika aus und wurde Eishändler. Seine Tochter Helena heiratete einen Nachfahren der deutschen Familie Streeb, die später den Namen Streep annahm.
Wie viele Oscars hat Meryl Streep gewonnen?
Sie hat drei Oscars gewonnen und 18 weitere Nominierungen erhalten. Hinzu kommen acht Golden Globes und 25 weitere Nominierungen.
Warum kritisierte sie Donald Trump?
2017 kritisierte sie Trump in ihrer Golden-Globes-Rede für sein Nachäffen eines behinderten Reporters. Sie sagte, Respektlosigkeit lade zu Respektlosigkeit ein, und Gewalt verleite zu Gewalt.
Wie hat sie den Sexismus in Hollywood erlebt?
Während der Dreharbeiten zu Kramer vs. Kramer wurde sie von Dustin Hoffman körperlich und psychisch misshandelt. Sie sagt heute: Heute käme er dafür ins Gefängnis.