Gotthard-Ausweichverkehr: Urner fordern strengere Massnahmen
Im Kanton Uri wächst der Unmut über den zunehmenden Ausweichverkehr auf der Kantonsstrasse. Rund 60 Einwohnerinnen und Einwohner protestierten am Samstag in Silenen gegen die Verkehrsbelastung und forderten von den Behörden ein entschlosseneres Vorgehen. Die Polizei Uri versucht bereits, den Ausweichverkehr zu unterbinden, doch die Massnahmen zeigen bislang nur begrenzte Wirkung.
Wie reagiert die Polizei Uri auf den Ausweichverkehr?
Die Kantonspolizei Uri führt an den Autobahnausfahrten in Erstfeld und Amsteg Kontrollen durch. Autofahrer ohne glaubhaften Grund für die Nutzung der Hauptstrasse werden zurück auf die Autobahn geschickt. Dies soll den Ausweichverkehr auf der Kantonsstrasse reduzieren. Doch wie sich vor Ort zeigt, reicht diese Massnahme nicht aus. In Silenen fahren unzählige Fahrzeuge aus den Niederlanden, Deutschland und Belgien an den Häusern der Anwohner vorbei.
Welche Auswirkungen hat der Verkehr auf die Bevölkerung?
Die Familie Tresch aus Silenen leidet unter den Folgen. Vater Reto Tresch, ein Lastwagenchauffeur, berichtet von waghalsigen Überholmanövern, überhöhten Geschwindigkeiten und Staus vor der eigenen Haustür. Tochter Saskia (16) erlebt täglich, dass Autofahrer an Fussgängerstreifen nicht anhalten oder der Schulbus mit erheblichen Verspätungen kommt. „Spass mache das Leben so nicht“, sagt sie.
Andrea Echser, eine weitere Anwohnerin, protestierte am Samstag mit einem Schild mit der Aufschrift „Ihr fahrt uns mitten durch die Stube“. Sie fühlt sich ohnmächtig und wirft der Politik Versagen vor. „Wir sind nicht das Überlauffass. Die Politiker in Bern müssen handeln“, fordert sie.
Warum nutzen Ferienfahrer die Kantonsstrasse?
Ein wesentlicher Grund ist die Navigation. Navigationssysteme zeigen oft die schnellste oder kürzeste Route an, was den Ferienverkehr automatisch auf die Kantonsstrasse führt. Andrea Echser stoppte ein niederländisches Fahrzeug vor ihrem Haus und fragte nach dem Grund. Die Antwort: „Navi“. Der Kanton Uri ist sich des Problems bewusst. Die Sorge ist, dass bei einer Blockade beider Strassen – Autobahn und Kantonsstrasse – auch Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst im Stau stecken bleiben.
Welche Lösungen fordern die Betroffenen?
Reto Tresch fordert ein rigoroseres Vorgehen der Behörden. Er wünscht sich, dass die Autobahnausfahrten von Flüelen bis Göschenen geschlossen werden. Wer über den Gotthardpass will, solle erst in Wassen die Autobahn verlassen können. Die Betroffenen sehen die Verantwortung vor allem beim Bund. „Die Politik hat versagt“, sagt Echser. Sie und andere Urnerinnen und Urner fordern eine nachhaltige Lösung, die den Ausweichverkehr wirksam unterbindet.
Wie ist die historische Perspektive?
Der Ausweichverkehr beschäftigt Uri seit Jahrzehnten. Andrea Echser erinnert sich, dass der Verkehr vor dem Bau der Autobahn während zwei Wochen im Tal staute. Heute sei es trotz Autobahn schlimmer. „Jetzt haben wir mehr Verkehr auf der Hauptstrasse als damals“, sagt sie. Die Urnerinnen und Urner haben lange stillgehalten und auf die Politik vertraut. Doch nun dringt der innere Tell hervor. „Wir haben es satt“, so Echser.
Die Proteste zeigen, dass die Bevölkerung nicht bereit ist, den Ausweichverkehr weiter hinzunehmen. Eine funktionierende Lösung ist aus ihrer Sicht dringend erforderlich.