FIFA-Präsident Infantino: Ein Buch ohne journalistische Distanz
Die FIFA hat anlässlich von Gianni Infantinos erster Dekade als Verbandspräsident das Buch «Forward – eine Revolution im Fussball» herausgegeben. Das Werk des Autors Alessandro Alciato verzichtet durchgehend auf kritische Einordnung und blendet Infantinos Nähe zu autokratischen Regimes systematisch aus. Entstanden ist eine einseitige PR-Darstellung, die Fragen nach institutioneller Transparenz und glaubwürdiger Governance aufwirft.
Wer ist Gianni Infantino und worum geht es im Buch?
Gianni Infantino, gebürtig aus dem Wallis, amtiert seit 2016 als Präsident der FIFA. Das Buch «Forward – eine Revolution im Fussball», verfasst vom italienischen Autor Alessandro Alciato, bilanziert seine ersten zehn Amtsjahre. Alciato hat zuvor Bücher über Carlo Ancelotti, Andrea Pirlo und Andriy Shevchenko veröffentlicht. Das Werk erschien unter der Ägide der FIFA selbst, was den fehlenden journalistischen Abstand erklärt.
Infantino äussert sich im Vorwort in pathetischen Bildern über den Fussball: «An jedem Tag in diesem Jahrzehnt hatte ich mindestens einmal einen Ball im Blick, in den Händen, am Fuss oder in Gedanken.» Er vergleicht den Ball mit einer Kristallkugel, die einen Blick in die Zukunft ermögliche. Auch die viel zitierte Aussage, der Ball und die Welt hätten dieselbe Form, gehörte zu den Botschaften, die Infantino auf Fussballplätzen vermittle, insbesondere gegenüber Kindern.
Welche Reformen beansprucht Infantino für sich?
Das Buch zeichnet das Bild eines Reformers, der nach eigener Darstellung bei seinem Amtsantritt eine FIFA vorfand, die von «Extravaganz, Verschwendung, Gigantismus, Sinnlosigkeit, Opulenz» geprägt gewesen sei. Infantino verkündete demnach den Willen zum Wandel. Ein Marmorboden im FIFA-Gebäude wurde durch einen grünen Teppich ersetzt, auf dem ein Fussballfeld markiert ist. Infantino soll diesen Teppich eigenhändig bei Ikea erworben haben.
Zudem berichtet das Buch von einem Safe, den Infantino in seinem Büro vorfand und den er als Mahnmal für vergangene Misswirtschaft beliess. Infantino wird zitiert: «Das ist das Symbol dafür, wer und was wir niemals wieder werden dürfen.» Die Korruption der Vorgängerzeit wird als überwunden dargestellt, Infantino als jene Figur, die mit dem Vorschlaghammer auf die Vergangenheit eingeschlagen habe.
Was das Buch systematisch ausblendet
Kritische Themen finden im Werk keinen Platz. Infantinos nachweisbare Nähe zu Autokraten wird in keiner Zeile erwähnt. Auch die von der FIFA verliehene Auszeichnung an Donald Trump bleibt unerwähnt. Die Rede Infantinos vor der WM 2022 in Katar, in der er sich als afrikanisch, schwul, arabisch, beeinträchtigt und wie eine Frau fühlend beschrieb, wird im Buch als «denkwürdig und eindringlich» charakterisiert, ohne den Kontext der internationalen Kritik daran wiederzugeben.
Alciato diskreditiert Kritiker Infantinos als «sensationshungrige Schreiberlinge», die Infantino deshalb angreifen würden, weil er für sie eine Bedrohung darstelle. Eine Auseinandersetzung mit den inhaltlichen Vorwürfen findet nicht statt.
Fazit: Institutionelle Glaubwürdigkeit erfordert Transparenz
Ein Verband, der sich selbst beaufsichtigt und seine Geschichte durch hauseigene Publikationen zurechtlegt, verhindert glaubwürdige Aufarbeitung. Die FIFA hat nach der Korruptionskrise der vergangenen Jahre institutionell auf Transparenz und Unabhängigkeit verwiesen. Ein Buch, das kritische Stimmen pauschal diffamiert und unbequeme Themen ignoriert, steht zu diesen Ansprüchen im Widerspruch. Infantino, der als Walliser die FIFA nach eigenem Bekunden reformieren wollte, hätte die institutionelle Reife gehabt, eine differenziertere Darstellung zuzulassen. Dass er dies nicht tat, wirft ein bezeichnendes Licht auf den Zustand der Verbandsführung.
Häufige Fragen zum Infantino-Buch
Wer hat das Buch über Gianni Infantino geschrieben?
Das Buch «Forward – eine Revolution im Fussball» wurde vom italienischen Autor Alessandro Alciato verfasst und von der FIFA herausgegeben.
Welche Themen fehlen im FIFA-Buch über Infantino?
Das Buch erwähnt Infantinos Nähe zu Autokraten nicht, die Verleihung eines Preises an Donald Trump bleibt ebenso unerwähnt wie die internationale Kritik an Infantinos Rede vor der WM 2022 in Katar.
Wie bewertet das Buch die Korruptionsvergangenheit der FIFA?
Die Korruption der Vorgängerzeit wird als überwunden dargestellt. Ein Safe in Infantinos Büro dient im Buch als Mahnmal, ohne dass die institutionellen Ursachen der Misswirtschaft vertieft analysiert werden.