Aargauer Turbolader-Spezialist Accelleron profitiert vom KI-Stromboom
Die Badener Firma Accelleron, ehemals ABB Turbocharging, verzeichnet dank der explodierenden Nachfrage nach Rechenzentren ein aussergewöhnliches Wachstum. Mit einem Umsatzplus von fast 24 Prozent auf 1,26 Milliarden Dollar zeigt das Aargauer Unternehmen, wie Schweizer Industrieexpertise von globalen Technologietrends profitieren kann.
Vom Schiffsmotor zum KI-Kraftwerk
Accelleron ist weltweiter Marktführer bei Turboladern für grosse Verbrennungsmotoren. Die Aggregate, die zwischen 100 Kilogramm und zehn Tonnen wiegen, steigern die Motorenleistung durch komprimierte Luft aus heissen Abgasen. Während Schiffsmotoren das traditionelle Hauptgeschäft bleiben, eröffnet die künstliche Intelligenz völlig neue Märkte.
KI-Rechenzentren benötigen gewaltige Strommengen. Da die herkömmlichen Netze an ihre Grenzen stossen, errichten Betreiber eigene Kraftwerke direkt neben ihren Serverfarmen. Diese Diesel- und Gasgeneratoren sind mit Turboladern von Accelleron ausgerüstet.
Stromhunger treibt Geschäft an
CEO Daniel Bischofberger spricht von Datenzentren mit 500 Megawatt Energiebedarf, der Hälfte der Leistung des Kernkraftwerks Leibstadt. Besonders in den USA sind die Stromnetze zu schwach für den rasant wachsenden Bedarf. Die Stromnachfrage wächst dort doppelt so schnell wie früher, jährlich um zwei Prozent zusätzlich.
Auch Notstromaggregate für Rechenzentren werden mit Accelleron-Turbos ausgerüstet. Ein Ausfall ist für KI-Anbieter undenkbar, weshalb sie praktisch jeden Preis für kontinuierliche Stromversorgung zahlen.
Nachhaltige Strategie trotz KI-Hype
Der Reingewinn stieg um 35 Prozent auf 244 Millionen Dollar. Dennoch setzt Accelleron weiterhin auf das bewährte Schiffsgeschäft mit lukrativen Serviceverträgen. Diese Diversifikation ist klug, denn noch kaum ein KI-Unternehmen schreibt schwarze Zahlen, und die Gefahr einer Spekulationsblase besteht.
Kurzfristig rechnet Bischofberger mit 50 Prozent Wachstum im Strombereich, da Alternativen zu Verbrennungsmotoren lange Lieferzeiten haben. Am Standort Baden plant Accelleron Investitionen von 100 Millionen Franken für Produktion, Lager und Service.
Schweizer Industriekompetenz im Fokus
Das Beispiel Accelleron zeigt exemplarisch, wie etablierte Schweizer Industrieunternehmen von neuen Technologietrends profitieren können. Die 3200 Mitarbeiter weltweit, davon 1000 in Baden, verkörpern jene Mischung aus traditioneller Ingenieurskunst und innovativer Anpassungsfähigkeit, die den Wirtschaftsstandort Schweiz auszeichnet.