SpaceX Börsengang: Chancen und Risiken für Schweizer Anleger
Am kommenden Freitag vollzieht SpaceX den bisher grössten Börsengang der Finanzgeschichte. Das Unternehmen von Elon Musk strebt dabei eine Bewertung von rund 1,77 Billionen Dollar an. Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger stellt sich die Frage, ob eine Beteiligung an diesem Initial Public Offering ökonomisch sinnvoll ist oder ob die Risiken den Ertrag überwiegen.
Die Fakten zum Börsengang
SpaceX plant, beim Börsengang 75 Milliarden Dollar einzunehmen. Die Bewertung des Unternehmens beläuft sich auf rund 1,77 Billionen Dollar, was Elon Musk rechnerisch zum ersten Billionär der Welt machen würde. Ein bemerkenswerter Aspekt dieses IPO: Bis zu 30 Prozent der auf den freien Markt kommenden Aktien sind für Kleinanleger reserviert.
Auf den ersten Blick scheinen die Chancen bei SpaceX zumindest auf dem Papier besser als bei anderen Börsengängen dieser Kategorie, stellt Cyrill Marugg fest, Leiter Investment Research und stellvertretender CIO der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB). Normalerweise bleiben Kleininvestoren bei Platzierungen dieser Grössenordnung aussen vor.
Zugangswege für die Schweiz
Für Schweizer Anleger gestaltet sich der Zugang jedoch selektiv. Das Portal Finanz und Wirtschaft nennt Swissquote als möglichen Einstieg, wobei die Mindestinvestition bei 50'000 Dollar liegt. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) bietet einen niederschwelligeren Zugang: Direkt via E-Banking oder persönlichen Berater, ohne Mindestbeitrag. Der Ausgabepreis wurde auf 135 Dollar pro Aktie festgelegt.
Doch zum Zuge kommen im Vorfeld wohl nur wenige. Experten des Assetmanagements der Liechtensteiner Landesbank (LLB) betonen, dass der Börsengang weltweit massiv überzeichnet sei. Das Interesse entspricht einem Vielfachen der angebotenen 75 Milliarden Dollar.
Nur ein kleiner Teil der Anteile an Musks Raumfahrt-Konzern kommt überhaupt an die Börse, bestätigt Sascha Haudenschild, Investment-Chef bei der Aargauischen Kantonalbank. Konkret sind lediglich rund 4 Prozent der SpaceX-Aktien für den freien Handel vorgesehen.
Späterer Einstieg als Alternative
Wer nicht sofort beim Börsengang dabei ist, kann später zum Marktpreis an der Nasdaq kaufen, wie Dominik Schmidlin, Anlagechef der St. Galler Kantonalbank, klarstellt. Möglicherweise ergeben sich dann sogar attraktivere Einstiegskurse. Thomas Rühl, Anlageexperte bei der Schwyzer Kantonalbank, rät Interessierten, Kontakt mit der Hausbank aufzunehmen, da beim Kauf von US-Einzelaktien auch steuerliche Aspekte zu berücksichtigen sind.
Die Geschäftsstruktur von SpaceX
Die Zusammensetzung des Unternehmens macht die Aktie besonders interessant. Die lukrativste Sparte ist Starlink, der Anbieter von Satelliten-Internet. Diese Division steht laut VP Bank auf soliden Beinen. Das bekanntere Weltraum-Geschäft hingegen ist wirtschaftlich schwächer. Es wird durch Einzelprojekte definiert, erfordert erhebliche Investitionen und hängt stark von der Nachfrage staatlicher und privater Auftraggeber ab.
Erhebliche Risiken bergen laut VP Bank das Grossraketen-Projekt Starship und die KI-Infrastruktur. In diesen Segmenten lag der Verlust 2025 beim Doppelten des Umsatzes. Hier besteht laut den Experten noch erheblicher Klärungsbedarf.
Astronomische Bewertung bei laufenden Verlusten
Die Bewertung von SpaceX ist, so die Experten des LLB-Assetmanagements, bereits astronomisch hoch, und dies, obwohl das Unternehmen im Moment Verluste schreibt. SpaceX lebt von langfristigen Erwartungen. Ein zusätzliches Risiko birgt die Person Elon Musk. Wie einst bei Tesla kann er zur Belastung für das eigene Unternehmen werden. Klar ist: Der reichste Mensch der Welt behält über 80 Prozent der Stimmrechte.
Indirekte Beteiligung für Millionen Schweizer
Unabhängig von der persönlichen Haltung zu Musk und seinen Unternehmen werden Millionen Schweizerinnen und Schweizer zu Aktionären, ob sie wollen oder nicht. Pensionskassen und Versicherungen als institutionelle Investoren drängen an die Aktien. Zudem werden amerikanische ETFs SpaceX früher oder später aufnehmen, da das Unternehmen voraussichtlich schnell in wichtige Indizes wie den Nasdaq 100 aufsteigen könnte.
Fazit: Vorsicht statt Hype
Der SpaceX Börsengang ist ein bemerkenswertes finanzhistorisches Ereignis. Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger gilt es, die Euphorie mit kühlem Kopf zu betrachten. Die Bewertung ist hoch, die Verluste sind real, und die Abhängigkeit von einer einzelnen Person ist strukturell verankert. Wer investiert, sollte sich der Risiken bewusst sein und sein Engagement an der eigenen Risikofähigkeit ausrichten. Der Hausbank kommt dabei eine zentrale Beraterfunktion zu. Sachlichkeit statt Spekulation bleibt der klügste Ansatz.