3G-Abschaltung legt BMW-Notrufsysteme lahm
Die schrittweise Abschaltung des 3G-Mobilfunknetzes durch die Swisscom sorgt für erhebliche Probleme bei Autobesitzern. Betroffen sind vor allem Fahrzeuge, die vor 2018 produziert wurden und deren automatische Notrufsysteme (eCall) nun nicht mehr funktionieren.
Kurzfristige Kommunikation verärgert Kunden
Besonders BMW-Schweiz steht in der Kritik, da das Unternehmen seine Kunden erst Ende Dezember über die bevorstehende Abschaltung informierte. Ein Mini-Fahrer äussert seinen Unmut: "Die sehr kurzfristige Kommunikation durch BMW stört mich. Und ich verstehe nicht, dass BMW in unseren Mini mit Jahrgang 2019 noch 3G-Module verbaut hat."
Eine BMW-Besitzerin beklagt, dass keine Möglichkeit bestehe, das System auf 4G umzurüsten, obwohl das automatische Notrufsystem einst ein wichtiges Verkaufsargument gewesen sei.
Technische Hürden verhindern Nachrüstung
BMW Schweiz erklärt die technischen Beschränkungen: "Die SIM-Karte ist ein Hardware-Element, das fest in der Telematik-Einheit integriert ist, welche wiederum mit allen Steuergeräten im Fahrzeug fest verbunden ist." Dies lasse weder eine software-technische Lösung noch einen wirtschaftlich sinnvollen Austausch für ein 4G-Upgrade zu.
Das Unternehmen betont, dass der Entscheid der Mobilfunkbetreiber zur 3G-Abschaltung nicht in ihrem Einflussbereich liege. Die betroffenen Fahrzeuge seien zum Zeitpunkt der Produktion mit der damals aktuellen Technologie ausgestattet worden.
Rechtslage schützt Hersteller
Das Bundesamt für Strassen (Astra) stellt klar: Seit dem 31. März 2018 müssen neu genehmigte Personen- und leichte Nutzfahrzeuge ab Werk mit einem automatischen Notrufsystem ausgestattet sein. "Eine Pflicht zur Umrüstung bereits zugelassener Fahrzeuge besteht jedoch weder in der Schweiz noch in der EU."
Fahrzeuge mit defekten eCall-Systemen dürfen somit weiterhin im Strassenverkehr verwendet werden.
Weitreichende Auswirkungen der Netzmodernisierung
Die 3G-Abschaltung betrifft nicht nur Fahrzeuge. Laut Swisscom läuft zwar weniger als ein Prozent des Datenverkehrs über 3G, doch rund 200'000 Smartphones sowie zahlreiche andere internetfähige Geräte sind betroffen. Dazu gehören Smartwatches, Smarthome-Geräte, GPS-Tracker, Überwachungskameras und Alarmanlagen.
Während Swisscom Anfang 2026 schrittweise abschaltet, hatte Sunrise bereits im vergangenen Sommer sein 3G-Netz stillgelegt. Salt betreibt sein Netz noch bis mindestens Ende 2026.
Innovation rechtfertigt Umstellung
Die Mobilfunkbetreiber begründen die Abschaltung mit der Notwendigkeit, Kapazitäten für moderne Technologien freizusetzen. 5G kann deutlich mehr Daten übertragen, weist eine geringere Latenz auf und benötigt weniger Strom für dieselbe Datenmenge.
Viele Hersteller setzen beim Umstieg jedoch zunächst auf 4G statt auf 5G, da die Netzabdeckung höher ist und 5G für industrielle Anwendungen noch zu kostspielig bleibt. Der nächste Standard 6G soll ab 2030 zum Einsatz kommen.