Moretti-Skandal: Bundespolizei deckt systematische Geldwäscherei auf
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana mit 41 Todesopfern enthüllt ein weitreichendes Finanzkonstrukt. Die Bundespolizei Fedpol hat bei der Untersuchung der Geschäfte von Jacques und Jessica Moretti deutliche Hinweise auf Geldwäscherei und Finanzbetrug gefunden.
Ponzi-Schema im Walliser Gastrogewerbe
Die Ermittler sprechen von einem «mutmasslich kriminellen Finanzkonstrukt» mit Ähnlichkeiten zu einem Ponzi-Schema. Das französische Ehepaar hatte innerhalb weniger Jahre ohne ausgewiesene Eigenmittel ein kleines Gastro-Imperium im Wallis aufgebaut.
Auslöser der Untersuchung waren Meldungen der Walliser Kantonalbank und der UBS im Januar. Die UBS beschrieb Vermögenswerte, die «aus einem Verbrechen oder aus einem qualifizierten Steuervergehen» stammen könnten. Konkret geht es um Steuerhinterziehung von mehr als 300'000 Franken jährlich.
Systematische Verschleierung von Geldflüssen
Die Fedpol-Analyse des Zahlungsverkehrs offenbarte ein komplexes System zur Verschleierung illegaler Machenschaften. Das Ehepaar führte zahlreiche Transit-Transaktionen zwischen Bankkonten verschiedener Gastrobetriebe durch, wodurch die Nachverfolgung «erschwert und intransparent» wurde.
Besonders verdächtig: Die drei Betriebe liehen sich regelmässig hunderttausende Franken, während gleichzeitig Rückzahlungen an private Konten erfolgten, zu denen keine entsprechenden Darlehen existierten.
Fiktiver Erfolg durch Luxus-Inszenierung
Nach Fedpol-Erkenntnissen beruhte das Moretti-Imperium «ausschliesslich auf der Vergabe mutmasslich unrechtmässig erlangter Kredite». Das Ehepaar schuf ein «fiktives Bild wirtschaftlichen Erfolgs» durch die Zurschaustellung geleaseter Luxuswagen, darunter mehrere Sportwagen.
Ein Covid-Kredit soll möglicherweise für den Kauf eines Maseratis verwendet worden sein. Der Kanton Wallis ermittelte, sah jedoch von einer Anzeige ab.
Verdacht auf Versicherungsbetrug
Seit 2023 häuften sich Brände in Moretti-Betrieben auffällig. Nach den Ereignissen wurden jeweils hohe Versicherungssummen ausbezahlt. Die Kontenanalyse zeigt jedoch, dass diese Gelder nicht für Reparaturen, sondern für private Ausgaben wie Steuern, Krankenkassenprämien und Luxusauto-Leasing verwendet wurden.
Hausdurchsuchung bringt weitere Belastungen
Bei einer Hausdurchsuchung am 20. Februar wurden sechs Luxusuhren im Wert von über 100'000 Franken sowie eine halbautomatische Glock 19-Pistole sichergestellt. Eine ursprünglich für den 1. Januar angeordnete Durchsuchung war aus unklaren Gründen nicht durchgeführt worden.
Die Ermittler äussern den Verdacht, dass die Morettis die Unglücksbar in Crans-Montana gar nie hätten betreiben dürfen, da sie sich die Gastrobetriebe mit unrechtmässig erhaltenem Geld angeeignet haben könnten.
Jacques und Jessica Moretti sowie ihre Anwälte reagierten nicht auf Anfragen zu einer Stellungnahme zum Fedpol-Bericht.