3G-Abschaltung legt BMW-Notrufsysteme lahm
Die schrittweise Abschaltung des 3G-Mobilfunknetzes durch die Swisscom zu Beginn 2026 hat konkrete Auswirkungen auf Schweizer Autobesitzer. Betroffen sind insbesondere Fahrzeuge, die vor 2018 hergestellt wurden und deren automatische Notrufsysteme (eCall) auf den veralteten 3G-Standard angewiesen sind.
Kurzfristige Kommunikation sorgt für Unmut
Besonders kritisiert wird die späte Information durch BMW Schweiz. Viele Besitzer von BMW- und Mini-Fahrzeugen erfuhren erst Ende Dezember 2025 von der bevorstehenden Abschaltung, die nur wenige Tage später erfolgte. Ein Mini-Fahrer äussert sich gegenüber SRF verärgert: "Die sehr kurzfristige Kommunikation durch BMW stört mich. Und ich verstehe nicht, dass BMW in unseren Mini mit Jahrgang 2019 noch 3G-Module verbaut hat."
Eine BMW-Besitzerin kritisiert zudem, dass keine Nachrüstung auf 4G möglich sei, obwohl das automatische Notrufsystem einst als wichtiges Verkaufsargument beworben wurde.
Technische Hürden verhindern Umrüstung
BMW Schweiz erklärt die technischen Beschränkungen: "Die SIM-Karte, die für den Verbindungsaufbau notwendig ist, ist ein Hardware-Element, das fest in der Telematik-Einheit integriert ist." Diese sei wiederum mit allen Steuergeräten im Fahrzeug fest verbunden, was weder eine softwaretechnische Lösung noch einen wirtschaftlich sinnvollen Austausch für ein 4G-Upgrade ermögliche.
Der Automobilhersteller betont, dass der Entscheid der Mobilfunkbetreiber zur 3G-Abschaltung nicht im Einflussbereich von BMW liege. Die betroffenen Fahrzeuge seien zum Zeitpunkt der Produktion mit der damals aktuellen Technologie ausgestattet worden.
Rechtliche Situation bleibt unklar
Das Bundesamt für Strassen (Astra) stellt klar, dass seit dem 31. März 2018 zwar eine Pflicht für automatische Notrufsysteme in neu genehmigten Fahrzeugen besteht. "Eine Pflicht zur Umrüstung bereits zugelassener Fahrzeuge besteht jedoch weder in der Schweiz noch in der EU." Fahrzeuge mit defekten eCall-Systemen dürfen somit weiterhin im Strassenverkehr bewegt werden.
Weitere betroffene Geräte
Neben Fahrzeugen sind auch andere Geräte von der 3G-Abschaltung betroffen: ältere Smartphones, Tablets, Smartwatches, Alarmanlagen, Überwachungskameras und Notrufsysteme für ältere Menschen. Auch Notrufsysteme in Liftanlagen müssen auf 4G umgerüstet werden.
Während Swisscom Anfang 2026 schrittweise abschaltet und Sunrise bereits im Sommer 2025 den Schritt vollzogen hat, betreibt Salt sein 3G-Netz noch bis mindestens Ende 2026. Die frei werdenden Kapazitäten sollen für effizientere 5G-Technologie genutzt werden, die mehr Daten bei geringerem Stromverbrauch übertragen kann.