Sicherheitsmängel in Altenberg: Schweizer Bob-Pilot Michael Vogt verweigert Teilnahme
Zwei Jahre nach dem lebensbedrohlichen Unfall von Anschieber Sandro Michel boykottiert der Schwyzer Pilot Michael Vogt das Weltcup-Rennen in Altenberg. Seine Begründung ist eindeutig: Zu wenig sei in Sachen Sicherheit geschehen.
Dramatischer Unfall mit schweren Folgen
Die Bilder vom Februar 2024 schockierten die internationale Sportwelt. Nach einem Sturz des Schweizer Viererbobs im Training wurde Anschieber Sandro Michel aus dem Schlitten geschleudert. Das von der ansteigenden Zielgeraden zurückrutschende Gefährt krachte voll in den bewusstlosen Aargauer und verletzte ihn lebensgefährlich.
Nur das schnelle Eingreifen des Bahnarztes und der per Helikopter herbeieilenden Notärzte retteten Michel das Bein und das Leben. Der 29-Jährige musste in Dresden mehrfach notoperiert werden und durchlief eine fast zweijährige Rehabilitation.
Vogts klare Haltung zur Sicherheit
«Ich fahre nicht auf einer Bahn, wo einer unserer Anschieber fast gestorben wäre und sich seither nichts geändert hat», erklärte Vogt gegenüber dem «Blick». Der erfahrene Pilot kritisiert, dass auch zwei Jahre nach dem Unfall gestürzte Schlitten vom ansteigenden Zielauslauf in die Zielkurve zurückrutschen können.
Für den Schweizer Spitzensportler ist die Aufarbeitung ungenügend. Sein Boykott des letzten Weltcup-Rennens vor den Olympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo sendet ein deutliches Signal an die Verantwortlichen.
Bahnchef verteidigt Sicherheitsmassnahmen
Altenbergs Bahnchef Jens Morgenstern widerspricht Vogts Darstellung. Nach drei grossen Sicherheitskonferenzen mit Experten seien «konkrete Massnahmen umgesetzt beziehungsweise auf den Weg gebracht worden». Zum Weltcup stehe zusätzliches, speziell geschultes Personal im Auslauf bereit, um das Zurückrutschen gestürzter Bobs zu verhindern.
Morgenstern betont jedoch: «Eine hundertprozentige Garantie kann es nicht geben, weder in Altenberg noch anderswo.» Zudem entwickle das Institut Ifosa mit dem deutschen Bob- und Schlittenverband ein Rückhaltesystem.
Innovative Sicherheitstechnologien in Entwicklung
Das Allianz Zentrum für Technik (AZT) hat nach einer detaillierten Analyse ein neues Gurtsystem entwickelt. «Die aktuellen Bobs sind von der Sicherheit her gesehen vergleichbar mit offenen Autos aus den 1960er Jahren», erklärt AZT-Sicherheitsforscher Carsten Reinkemeyer.
Das innovative Gurtsystem ermöglicht es dem Athleten, in eine bereits geöffnete Gurtschlaufe zu springen, die sich automatisch um das Becken legt. Bei einem Sturz kann der Sportler so im Schlitten gehalten werden. Schwere Verletzungen wie bei Michel hätten damit verhindert werden können.
Zusätzlich wird ein Überroll-System entwickelt, ähnlich der Formel 1. Das «Head Impact Protection»-System (HIP) soll den Kopfbereich vom Pilotenkopf bis zu den Anschubbügeln sicherer machen.
Michels Comeback nach schwerer Verletzung
Sandro Michel selbst zeigt bemerkenswerte Entschlossenheit. Nach fast zweijähriger Rehabilitation ist der Aargauer wieder im Training und möchte gerne in den Bobsport zurückkehren. Sein Mut und seine Hartnäckigkeit verdienen höchsten Respekt.
Die Entwicklungen in Altenberg zeigen: Sicherheit im Spitzensport erfordert kontinuierliche Innovation und kompromisslose Standards. Vogts Boykott mag kontrovers sein, doch er stellt die richtige Frage: Sind wir bereit, Athletenleben für sportliche Erfolge aufs Spiel zu setzen?