Milano Cortina 2026: Schweizer Rekord überschattet organisatorische Mängel
Die 25. Olympischen Winterspiele in Milano Cortina gehen als historisches Ereignis für die Schweizer Delegation in die Geschichte ein. Mit 23 Medaillen pulverisierten die eidgenössischen Athletinnen und Athleten den bisherigen Rekord von 15 Medaillen deutlich.
Franjo von Allmen dominiert in Bormio
Franjo von Allmen krönte sich mit drei Goldmedaillen zum unbestrittenen König von Bormio. Seine Leistungen unterstreichen die Stärke des Schweizer Skisports auf internationaler Ebene. Auch die Curling-Teams trugen mit Bronze (Männer) und Silber (Frauen) zum Medaillenerfolg bei, kommentiert von SRF-Duo Calvin Stettler und Carmen Müller-Schäfer über 37 Spiele hinweg.
Organisatorische Herausforderungen der Dezentralität
Erstmals fanden Olympische Spiele an mehreren Austragungsorten statt. Was zunächst als nachhaltige Innovation gefeiert wurde, erwies sich in der Praxis als problematisch. Lange Wartezeiten, Verkehrsstaus und logistische Pannen prägten das Bild. Die dezentrale Struktur zwischen Antholz, Bormio, Livigno, Cortina und Mailand stellte Athleten, Medien und Zuschauer vor erhebliche Herausforderungen.
Wetterbedingungen und Infrastruktur
Starke Schneefälle in Livigno führten zu zahlreichen Wettkampfverschiebungen. Auch die Fertigstellung der Sportstätten erfolgte offensichtlich unter Zeitdruck, wie Zigarettenstummel in der Eishockeyarena verdeutlichten. Die Qualitätskontrollen mittels QR-Codes blieben oberflächlich.
Kommerzielle Übertreibungen
Die Preisgestaltung in den offiziellen Merchandise-Shops erreichte wucherische Dimensionen. Trotz völlig überteuerten Souvenirs bildeten sich endlose Warteschlangen vor den Geschäften. Diese Kommerzialisierung steht im Widerspruch zum olympischen Gedanken.
Gastgeber Italien triumphiert
Italien heimste mit 30 Medaillen eine neue Bestmarke an Winterspielen ein. Besonders emotional war der Triumph von Francesca Lollobrigida, die an ihrem 35. Geburtstag das erste italienische Eisschnelllauf-Gold überhaupt gewann. Die Bilder mit ihrem Sohn Tommaso lösten landesweit Debatten über Mutterschaft im Spitzensport aus.
Fazit: Erfolg mit Beigeschmack
Milano Cortina 2026 bleibt als Spiele der Rekorde in Erinnerung. Der historische Schweizer Erfolg kann jedoch nicht über die organisatorischen Defizite hinwegtäuschen. Die Dezentralität als Konzept bedarf grundlegender Überarbeitung für künftige Grossanlässe. Die Schweizer Athletinnen und Athleten haben trotz widriger Umstände Aussergewöhnliches geleistet und dem Land Ehre gemacht.