SpaceX-IPO: Die 2-Billionen-Bewertung als Lotteriespiel
Elon Musk plant mit seinem Weltraumunternehmen SpaceX den möglicherweise grössten Börsengang der Geschichte. Die angestrebte Bewertung von 2 Billionen US-Dollar steht in krassem Gegensatz zu den aktuellen Verlusten des Unternehmens. Eine nüchterne Analyse zeigt die hochspekulativen Mechanismen hinter diesem Vorhaben.
Die Mechanismen des Hypes
SpaceX generiert Einnahmen durch Frachtflüge und Satellitentelefonie, schreibt jedoch tiefrote Zahlen. Thorsten Hens, Professor für Finanzökonomie an der Universität Zürich, ordnet die angestrebte 2-Billionen-Bewertung ein. Er vergleicht das Vorhaben mit einem Lotteriespiel. Es kann klappen, es kann aber auch scheitern. Die Bewertung sei reine Fantasie und hochspekulativ.
Der Hype speist sich aus einer explosiven Mischung. Der Weltraum, die Figur Elon Musk und der KI-Boom verschmelzen zu einem Narrativ, das an die Dotcom-Blase der späten 1990er Jahre erinnert. Wenn solche Faktoren zusammenkommen, entsteht eine Dynamik, die rationale Bewertungen ausser Kraft setzt.
Institutionelle Investoren und das FOMO-Prinzip
Trotz der hohen Spekulation fliessen enorme Kapitalmengen. Bei einem Börsengang erhalten in der Regel jene Akteure eine Zuteilung, die gute Beziehungen zu den begleitenden Investmentbanken pflegen. Grosse Private-Equity-Firmen wie Blackstone oder die Schweizer Partners Group sowie weitere institutionelle Investoren gehören zu den privilegierten Empfängern. Sie hoffen auf überdurchschnittliche Renditen.
Warum sichern sich Grossinvestoren dennoch Zuteilungen, wenn das Risiko so hoch ist? Die Antwort liegt in der Angst, etwas zu verpassen, der sogenannten Fear of Missing Out. Ein Risikomanagement existiert zwar, dennoch bleibt der Faktor Konkurrenzdruck. Es wäre ein Imageschaden, wenn der Konkurrent gewinnt und man leer ausgeht.
Historische Parallelen und der Survivorship Bias
Die Geschichte bietet Lehren. Ende der 1990er Jahre entstand die Dotcom-Blase. Einige Firmen wie Amazon oder Ebay überlebten und prosperierten. Viele andere, wie VA Linux Systems, verschwanden schnell vom Markt. Hens spricht hier vom Survivorship Bias. Man erinnert sich an die Erfolge und vergisst die gescheiterten Unternehmen.
Wir sehen die, die es noch gibt, und wir haben vergessen, welche nicht erfolgreich waren.
Diese historischen Lehren finden in der Praxis jedoch wenig Beachtung. Jede Generation scheint ihre eigene spekulative Blase erleben zu wollen. Das Wissen aus den Lehrbüchern tritt gegenüber dem Wunsch nach raschem Profit in den Hintergrund.
Fazit: Spekulation statt Substanz
Der geplante SpaceX-Börsengang offenbart einen grundlegenden Konflikt in der heutigen Kapitalmarktkultur. Auf der einen Seite stehen nachhaltige Geschäftsmodelle, die auf Substanz und realer Wertschöpfung beruhen. Auf der anderen Seite dominieren spekulative Narrative, die auf zukünftigen Versprechen und Hype basieren. Für eine stabile Volkswirtschaft, die auf bewährten Institutionen und realen Innovationen fusst, bleibt es geboten, solche hochspekulativen Anlagen mit der nötigen Skepsis zu betrachten. Kapital sollte langfristig in die Realwirtschaft fliessen, nicht in Lotteriespiele.