Deutschlands Ski-Hoffnung Emma Aicher vor historischer Chance
Nach ihren beeindruckenden Olympia-Erfolgen in Cortina d'Ampezzo steht Emma Aicher vor einer historischen Gelegenheit. Die 22-jährige Deutsche könnte als erste ihrer Nation seit Maria Höfl-Riesch 2014 eine Kristallkugel im Abfahrts-Weltcup gewinnen.
Vonns Verletzung eröffnet neue Perspektiven
Mit 144 Punkten Rückstand auf die führende Lindsey Vonn schien Aichers Traum zunächst unrealistisch. Doch der schwere Sturz der US-Amerikanerin bei den Olympischen Spielen und ihre daraus resultierende Beinverletzung haben die Karten neu gemischt. Vonn kann in den verbleibenden Saisonrennen nicht mehr antreten.
"Ich bin es gewohnt, so viele Rennen zu fahren", erklärt Aicher nach ihrer kurzen Erholungspause in Barcelona. "Ich fühle mich immer noch gut." Diese Aussage unterstreicht die professionelle Herangehensweise der Athletin, die bereits ab Freitag in Soldeu, Andorra, wieder im Einsatz steht.
Olympischer Durchbruch als Fundament
Aichers Stern ging während der Winterspiele in Norditalien richtig auf. Fünf Jahre nach ihrem ersten WM-Auftritt an gleicher Stelle fuhr sie zu zwei Silbermedaillen – in der Abfahrt und der Team-Kombination. Ein zusätzlicher Top-Ten-Platz im Slalom rundete ihre beeindruckende Bilanz ab.
"Für zwei Medaillen hätte ich vorher sofort unterschrieben", kommentierte sie ihre Leistungen in ihrer charakteristisch besonnenen Art. Diese Abgeklärtheit zeichnet Aicher nach Ansicht von DSV-Alpinchef Andreas Ertl besonders aus.
Einzigartige Herangehensweise
"Emma ist anders", betont Ertl. Während die Vielseitigkeit bereits bei früheren deutschen Stars wie Hilde Gerg, Martina Ertl oder Katja Seizinger zu beobachten war, hebt sich Aicher durch ihre besondere Art ab. "Wie sie die Dinge angeht, das macht sie einzigartig", so der Alpinchef über ihre Lockerheit und ihr ausgeprägtes Skigefühl.
Diese Qualitäten könnten entscheidend sein für ihren weiteren Karriereverlauf. Bleibt sie von schweren Verletzungen verschont, ist Aicher sowohl der Abfahrts-Weltcup als auch der Gesamtweltcup zuzutrauen.
Historische Dimension
Die letzte deutsche Skirennfahrerin, die den Gesamtweltcup gewann, war Maria Höfl-Riesch 2011 nach einem dramatischen Duell mit eben jener Lindsey Vonn. 2014 sicherte sie sich die Abfahrts-Kristallkugel. Seit Viktoria Rebensburgs Riesenslalom-Triumph 2017/2018 wartet Deutschland auf eine neue Kristallkugel-Gewinnerin.
Während sich Vonn in den USA von ihrem Olympia-Drama erholt, will Aicher den Schwung der Spiele nutzen. Mit über 100.000 Instagram-Followern und wachsendem Sponsoreninteresse hat sie bereits die Aufmerksamkeit weit über den Skisport hinaus geweckt.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Deutschlands neue Silber-Star tatsächlich Geschichte schreiben kann. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls so günstig wie lange nicht mehr.