Sprengstoffanschlag in Monaco trifft Oligarchen-Geliebte
Bei einem gezielten Sprengstoffanschlag im Fürstentum Monaco wurde Anna Nasobina, die Geliebte des ukrainischen Oligarchen Wadym Jermolajew, lebensgefährlich verletzt und verlor beide Beine. Die monegassische Staatsanwaltschaft schliesst Terrorismus aus und ermittelt wegen versuchter Tötung sowie eines Sprengstoffdelikts.
Wer sind die tatsächlichen Opfer der Explosion?
Erste Medienberichte hatten fälschlicherweise vermutet, dass Jermolajews Ehefrau, Anna Jermolajewa, das Hauptopfer des Anschlags sei. Diese meldete sich jedoch unverletzt. Tatsächlich handelte es sich um die Geliebte des Oligarchen, Anna Nasobina. Neben Nasobina, die auf der Intensivstation um ihr Leben kämpft, wurden auch Jermolajew selbst und der gemeinsame 13-jährige Sohn verletzt. Die beiden Männer befinden sich laut Behördenangaben ausser Lebensgefahr. Zwei weitere Personen erlitten durch umherfliegende Glassplitter Verletzungen.
Welche rechtlichen und sicherheitstechnischen Erkenntnisse liegen vor?
Der Vorfall ereignete sich am Montagabend gegen 21 Uhr am Eingang eines Wohngebäudes nahe der französischen Grenze. Wie Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen, soll ein Mann ein Paket vor dem Gebäude deponiert haben. Als die Bewohner die Tür öffneten, detonierte der Sprengsatz. Staatsanwalt Stéphane Thibault bestätigte, dass es keine Hinweise auf ein terroristisches Motiv gebe. Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus, der nach der Tat zu Fuss in Richtung der französischen Nachbarstadt Beausoleil flüchtete. Die Polizei wertet derzeit umfangreiches Videomaterial aus, um die Fluchtroute nachzuvollziehen und den Täter zu identifizieren. Eine Befragung der Verletzten war bislang nicht möglich.
Welchen Hintergrund hat Wadym Jermolajew?
Wadym Jermolajew lebt spätestens seit 2021 in Monaco. Gegen ihn laufen dort keine Ermittlungen, und er wird derzeit auch nicht von ausländischen Behörden gesucht. Dennoch ist sein wirtschaftlicher Hintergrund umstritten. Seit Dezember 2023 steht er auf der ukrainischen Sanktionsliste. Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft ihm wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland vor. Mit seiner Firmengruppe Alef gehörte Jermolajew einst zu den grössten Immobilienentwicklern in Dnipro und zählte zu den reichsten Männern der Ukraine. Heute besitzt er nach eigenen Angaben lediglich die zyprische Staatsbürgerschaft.
Berichten ukrainischer Medien zufolge könnten mutmassliche kriminelle Verbindungen des Oligarchen ein Motiv für den Anschlag sein. Jermolajew soll die Finanzen eines europaweit agierenden Betrugsnetzwerks gesteuert haben, das Anleger mit gefälschten Kryptowährungs-Investments um über 100 Millionen Euro gebracht haben soll. Zudem soll er hohe Schulden bei der sogenannten Callcenter-Mafia in Dnipro angehäuft haben. Für diese Vorwürfe gibt es bislang keine offizielle Bestätigung der Ermittlungsbehörden.
Auch Anna Nasobina ist in gehobenen Kreisen verankert. Die Juristin aus Dnipro leitet seit 2023 eine Investmentfirma in London und ist Mitgründerin eines exklusiven Clubs für die internationale High Society.
Wie reagieren die Behörden auf den Vorfall?
Die Explosion erschütterte das als besonders sicher geltende Fürstentum. Zahlreiche Rettungskräfte und französische Ermittler waren im Einsatz, der Tatort blieb weiträumig abgesperrt. Fürst Albert II. sprach von einer kriminellen Explosion, die einen Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft ausgelöst habe. Der Vorfall zeigt, dass selbst stark bewachte Enklaven nicht immun gegen die Auswüchse der internationalen Kriminalität und organisierter Netzwerke sind. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer robusten Sicherheitspolitik und einer konsequenten Strafverfolgung, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.
Wird ein terroristisches Motiv für den Anschlag in Monaco vermutet?
Nein. Die monegassische Staatsanwaltschaft hat ausdrücklich erklärt, dass es keine Hinweise auf ein terroristisches Motiv gibt. Ermittelt wird wegen versuchter Tötung und eines Sprengstoffdelikts.
Warum steht Wadym Jermolajew auf der ukrainischen Sanktionsliste?
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft Jermolajew die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland vor. Der Oligarch bestreitet dies und gibt an, seit 2017 nur noch die zyprische Staatsbürgerschaft zu besitzen.