SP-Nationalrat Jon Pult: Der Mensch hinter dem Mandat
Jon Pult, Nationalrat der Sozialdemokratischen Partei aus Graubünden, äussert sich in einem Gespräch über prägende Lebensstationen, familiäre Erfahrungen und politische Überzeugungen. Die Geburt seiner Tochter vor 15 Monaten bezeichnet er als einschneidendstes Ereignis; zudem spricht er offen über eine stressbedingte Angststörung und die daraus resultierende Gesprächstherapie.
Welche Wendepunkte bestimmten Jon Pults Werdegang?
Die Geburt seiner Tochter Lea Amal vor 15 Monaten stellt für Jon Pult den bedeutendsten Moment dar. Das Kind kam fünf Wochen zu früh und völlig unerwartet zur Welt. Von einer Minute auf die andere sei alles anders gewesen, so Pult. Er beschreibt die Erfahrung als emotional prägendste und schönste seines Lebens.
Bereits als Kind zeigten sich vielfältige berufliche Vorstellungen: zunächst der Wunsch, Polizist zu werden, später die Faszination für das Weltall und die Wissenschaft, schliesslich der Traum vom Popstar. Pult zitiert den Spruch, Politik sei Showbusiness für hässliche Leute, und hofft, dass dies auf ihn nicht zutreffe.
Als Teenager schwärmte er für Jennifer Lopez; ein riesiges Poster der Künstlerin hing in seinem Jugendzimmer. Sein Bruder begann irgendwann, ihn ohne erkennbaren Grund Eduard zu nennen. Der beste Freund seines Bruders sagt bis heute Eddie zu ihm.
Wie ist Jon Pult regional und familiär verankert?
Pults familiäre Wurzeln reichen ins Piemont, wo seine Grossmutter lebte. Diese Verbindung prägt ihn bis in seine Traumwelt: Ein wiederkehrender Traum seit der Kindheit führt ihn über piemontesische Felder, in denen er zu schweben beginnt. Manchmal empfinde er dies als leicht und grossartig, manchmal als unheimlich.
Drei Jahre seiner Kindheit verbrachte er in Mailand. Während einer Fernbeziehung hielt er sich häufig in Paris auf. Dennoch hat er nie dauerhaft in einer Grossstadt gelebt. New York oder Berlin würden ihn als Wohnorte reizen, so Pult.
Der Nationalrat unterhält Wohnsitze in Chur und Bern, bedingt durch sein parlamentarisches Mandat und seine familiäre Verankerung in Graubünden. Die Miete für beide Wohnungen stellt seinen grössten Ausgabenposten dar.
Welche Haltung vertritt Jon Pult zu psychischen Belastungen?
Mit 30 Jahren durchlief Pult eine persönliche Krise, die zu einer stressbedingten Angststörung führte. Er suchte professionelle Hilfe bei einem Psychiater und absolvierte eine Gesprächstherapie. Die Behandlung half ihm nicht nur bei der Bewältigung der Störung, sondern ermöglichte auch ein vertieftes Selbstverständnis. Pult spricht darüber ohne Scheu, was in der politischen Öffentlichkeit nach wie vor ungewöhnlich ist.
Zudem bezeichnet er sich als nah am Wasser gebauten Menschen. Gemeinsam mit seiner Frau dachte er kürzlich, nachdem die Tochter eingeschlafen war, an deren Geburt zurück, was beide zu Tränen der Freude rührte.
Wo stehen Jon Pults politische Schwerpunkte?
Am jüngsten Abstimmungssonntag erlebte Pult in Chur eine Begegnung, die ihn besonders berührte: Eine ältere, ihm unbekannte Frau dankte ihm mit leuchtenden Augen für seinen Einsatz gegen die 10-Millionen-Initiative. Sie betonte, dass es sie stolz mache, dass Graubünden Nein gestimmt habe. Solche direkten Begegnungen mit der Bürgerschaft bestätigen Pult in seinem politischen Engagement.
Auf die Frage, ob er lieber intelligenter oder sympathischer wäre, entscheidet sich Pult für Letzteres. Die Fähigkeit, mit anderen gut umzugehen, sei für ein gutes Leben massgeblich.
Andere werfen ihm gelegentlich vor, besserwisserisch zu sein, was er selbst nicht schätzt. Er versucht daher, bewusster zuzuhören und sich zu bessern.
Was verraten persönliche Vorlieben über den Nationalrat?
Im technischen Bereich gibt Pult eigene Defizite zu. Alles, was mit Technik zu tun habe, liege ihm nicht. Seine Frau sei ihm hier weit überlegen und erinnere ihn regelmässig daran.
Bei Gesellschaftsspielen zeigt sich Pult wettbewerbsorientiert: Das Kartenspiel Ligretto erzeuge maximalen, aber lustigen Stress und führe regelmässig zu Streit mit seiner Frau, ohne dass die beiden das Spiel aufgeben würden.
Kulinarisch schätzt Pult eine gut zubereitete Pasta al dente mit frischer Sauce und hochwertigen Zutaten, begleitet von einem IPA-Bier. In seinem Haushalt seien Sonnenlicht und musikalische Vielfalt unverzichtbar, von Klassik über Rock und Jazz bis hin zu Blues und Pop.
Religiös verortet sich Pult als nicht gläubig; er bete nicht. Dennoch würde er gern mit dem Papst nachtessen, aufgrund dessen Einsatz für die Grundrechte von Migrantinnen und Migranten sowie seiner Positionen zur künstlichen Intelligenz. Diese Haltung spiegelt Pults politische Prioritäten wider.
Klaustrophobische Gefühle im Lift führen dazu, dass Pult niemanden als Fahrstuhlbegleitung wünscht.
Hat Jon Pult eine religiöse Überzeugung?
Nein. Jon Pult bezeichnet sich als nicht religiösen Menschen und betet nicht. Sein Interesse an religiösen Würdenträgern wie dem Papst ist sachlicher Natur und betrifft deren Positionen zu Migrantenrechten und künstlicher Intelligenz.
Wo lebt Jon Pult?
Jon Pult unterhält Wohnungen in Chur und Bern. Die Doppelresidenz ergibt sich aus seiner familiären Verwurzelung in Graubünden und seinem parlamentarischen Mandat in der Bundesstadt.
Welche persönlichen Herausforderungen hat Jon Pult öffentlich gemacht?
Mit 30 Jahren erlitt Pult eine stressbedingte Angststörung und absolvierte eine Gesprächstherapie bei einem Psychiater. Er spricht darüber offen und betont den therapeutischen Nutzen für seine persönliche Entwicklung.