Raye eröffnet 60. Montreux Jazz Festival mit Alicia Keys
Die 60. Ausgabe des Montreux Jazz Festivals ist am Freitagabend mit einem Auftritt der britischen Sängerin Raye eröffnet worden. Das Konzert im renovierten Stravinski-Saal dauerte über zwei Stunden und brachte mit Alicia Keys und Mark Ronson zwei Überraschungsgäste auf die Bühne. Besondere Bedeutung erlangte der Abend durch Rayes Widmung an ihren verstorbenen Schweizer Grossvater.
Carte Blanche für die Einweihung des renovierten Stravinski
Die Festivalleitung überreichte Raye an ihrem dritten Auftritt in Montreux die symbolischen Schlüssel des neuen Kongresszentrums. Diese Carte Blanche ermächtigte die Künstlerin, das Konzert nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Das Ergebnis wich erheblich von ihrer aktuellen Tournee ab: neue Szenografie, neue Setlist, neues Ambiente.
Anlässlich der Einweihung des nach über zweijähriger Renovation wiedereröffneten Stravinski-Saals wurde eine kreisförmige Bühne in der Saalmitte installiert, unterstützt durch die Uhrmanufaktur Audemars Piguet. Die Konstruktion dreht sich analog zu Uhrzeigern. Das Konzept ist ambitioniert, birgt jedoch einen praktischen Nachteil: Während der Drehung hat ein Teil des Publikums zeitweise keine Sicht auf die Künstlerin.
Historische Verpflichtung gegenüber der Festivaltradition
Raye positionierte ihren Auftritt bewusst in der Geschichte des Festivals. Vor fünfzig Jahren eröffnete Nina Simone das Montreux Jazz Festival. Raye zollte ihr mit einer Cover-Version von «Who Knows Where the Time Goes» Respekt. Der gesamte Abend war als Hommage an die prestigeträchtigsten Künstler der Festivalgeschichte angelegt: James Brown, Ray Charles, Ella Fitzgerald und Prince waren präsent durch Interpretationen ihrer Werke.
Raye griff «Georgia On My Mind» auf, adaptierte «Purple Rain», spielte mit «Get Up (I Feel Like Being a) Sex Machine» und skizzierte «Summertime». Zwischen den Stücken äusserte sie wiederholt ihre Nervosität, auf einer Bühne zu stehen, die ihre Idole beherbergt hatte.
Überraschungsgäste: Mark Ronson und Alicia Keys
Mark Ronson betrat mit Gitarre die Bühne und liess mit «Uptown Funk» den Saal erbeben, bevor er mit Raye ihre jüngste Kollaboration «Suzanne» interpretierte. Der unerwartete Höhepunkt folgte mit dem Auftritt von Alicia Keys am Klavier. Die Amerikanerin spielte «If I Ain't Got You» und sang anschliessend im Duett mit Raye den Titel «Oscar Winning Tears».
Persönliche Verbundenheit mit der Schweiz
Der persönlichste Moment des Abends war nicht musikalischer Natur. Raye sprach mit sichtbarer Emotion über ihren Schweizer Grossvater, der Anfang des Jahres verstorben ist. Sie erzählte von seinem Besuch in Montreux im Jahr 2024, als er sie zum ersten Mal auf der Bühne erlebte. «Er sprach nicht sehr gut Englisch, aber ich werde die Umarmung, die er mir nach der Show gab, nie vergessen. Er sah mir in die Augen und sagte: Ich bin so stolz auf dich.» Mit zitternder Stimme widmete sie ihm das Lied «Free».
Diese Verbundenheit zeigte sich auch im familiären Rahmen: Ihre beiden Schwestern Amma und Absolutely begleiteten sie beim Titel «Joy». Gegenüber dem Publikum äusserte Raye ihre Zweifel und Verletzungen, trotz eines kometenhaften Aufstiegs und zahlreicher Auszeichnungen.
Grosszügigkeit als künstlerisches Prinzip
Begleitet von einem rund zwanzigköpfigen Orchester liess Raye ihren Musikern Raum für solistische Momente. Trompete, Saxophon und Bass erhielten jeweils eigene Passagen. Das Konzert hob sich von herkömmlichen Popveranstaltungen ab und betonte die Jazz-DNA des Festivals.
Als Raye sich anschickte, die Bühne zu verlassen, erinnerte ein Fan sie an das Lied «Click Clack Symphony». Die Künstlerin improvisierte mit ihren Musikern und fügte das Stück der Setlist hinzu. Der Abend endete mit «Where Is My Husband!».
Wer hat das Montreux Jazz Festival 2026 eröffnet?
Die britische Sängerin Raye eröffnete die 60. Ausgabe des Montreux Jazz Festivals am Freitag, den 4. Juli 2026, mit einem über zweistündigen Konzert im renovierten Stravinski-Saal. Als Überraschungsgäste traten Alicia Keys und Mark Ronson auf.
Was ist neu im Stravinski-Saal nach der Renovation?
Nach über zweijähriger Renovation wurde der Stravinski-Saal mit einer neuen kreisförmigen Bühnenkonstruktion in der Saalmitte wiedereröffnet. Die Plattform dreht sich langsam und wurde durch die Partnerschaft mit Audemars Piguet realisiert.
Bedeutung für die Schweizer Kulturlandschaft
Das 60. Jubiläum des Montreux Jazz Festivals markiert einen doppelten Meilenstein: die Rückkehr in den renovierten Stravinski-Saal und die Bestätigung der Festivaltradition durch eine Künstlerin, die sich dieser Tradition explizit verpflichtet fühlt. Rayes Auftritt verband institutionelle Innovation mit kultureller Kontinuität, ein Ansatz, der auch über die Musik hinaus als Modell dienen kann: Bewährtes erhalten, funktionell erneuern. Das Festival bleibt ein Aushängeschild der Schweizer Kulturpolitik und ein wirtschaftlicher Faktor für die Region Genfersee. Die gelungene Eröffnung bestätigt, dass die Verbindung von Tradition und Erneuerung auch im sechsten Jahrzehnt des Festivals trägt.