Pflegeheimkosten: Wenn die Rechnung die Familie trifft
Die finanzielle Belastung durch Alters- und Pflegeheime beschäftigt die Schweizer Bevölkerung bis weit in die Mittelschicht. Rund 60 Prozent der Heimbewohner sind auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Doch auch für Angehörige entstehen oft hohe Kosten, wie Betroffene aus dem Berner Oberland berichten.
Fehlbeträge von 4000 Franken pro Monat
Mario K. aus dem Berner Oberland unterstützte seinen Bruder Simon, der an einer chronischen Krankheit litt und eine IV-Rente sowie Zahlungen aus einer Lebensversicherung erhielt. Diese Einkünfte reichten jedoch bei weitem nicht aus, um die Heimkosten zu decken. «Ich habe monatliche Fehlbeträge von 4000 Franken übernommen», erklärt Mario K. Nach einem schweren Sturz war sein Bruder auf eine Rundumbetreuung angewiesen und zog im Herbst 2024 in ein Pflegeheim. Die Vorauszahlung betrug 5000 Franken, und in der höchsten Pflegestufe stiegen die Betreuungskosten weiter an.
Ergänzungsleistungen und Vermögensgrenzen
Ergänzungsleistungen werden nur gewährt, wenn das Vermögen unter der Schwelle von 100'000 Franken liegt. Simon K. besass ein kleines Haus, das ohne Partnerin voll zum Vermögen gerechnet wird. Ein Verkauf schien die Lösung zu sein, doch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) schaltete sich ein, da Simon K. nach dem Unfall als unzurechnungsfähig galt. «Ihr Anliegen war es, das Vermögen meines Bruders zu schützen. Dieser ganze Prozess nahm sehr viel Zeit in Anspruch», erinnert sich Mario K.
Bürokratische Hürden und Sozialhilfe
Ohne ausreichende Rücklagen hätte ein Darlehen der Sozialhilfe geprüft werden können. Im Fall von Simon K. wurde dies jedoch abgelehnt. Sobald die Sozialhilfe einspringt, prüft sie, ob gut verdienende Kinder oder Eltern zur Kasse gebeten werden können. Mario K. zieht eine ernüchternde Bilanz: «Für einige Leute dürften die hohen Heimkosten und das ganze Administrative schnell zu Problemen führen.»
Unsichtbare Belastung für Angehörige
Ein weiterer Leser, der seine schwer demente Mutter in einer Einrichtung einer grossen Heimgruppe begleitet, beschreibt die Belastung als enorm: «Neben den extrem hohen Heimkosten ist die unsichtbare Belastung riesig: Wohnungsauflösung, Finanzen, medizinische Abklärungen und administrativer Aufwand bringen uns an die Belastungsgrenze.» Eine Heimbewohnerin berichtet zudem, dass die Kosten jährlich steigen, ohne dass Mehrleistungen erbracht würden. Für Extraleistungen ausserhalb der reinen Pflege müsse sie zusätzlich zahlen.
Erblast und rechtliche Regelungen
Simon K. verstarb im Januar 2025. Mario K. wird seine Unterstützung aus dem Erbe zurückerhalten, sobald das Haus verkauft ist, wie es im Testament geregelt wurde. Der Fall zeigt, wie wichtig klare rechtliche Vorkehrungen und eine frühzeitige finanzielle Planung sind, um Familien nicht über Gebühr zu belasten.
Fragen und Antworten zu Pflegeheimkosten
Welche Rolle spielen Ergänzungsleistungen bei Heimkosten?
Ergänzungsleistungen decken die Differenz zwischen Einkommen und Heimkosten, sofern das Vermögen unter 100'000 Franken liegt. Sie sind für rund 60 Prozent der Heimbewohner entscheidend.
Was passiert, wenn das Vermögen die Grenze überschreitet?
Liegt das Vermögen über der Grenze, müssen die Heimkosten zunächst selbst getragen werden. Ein Verkauf von Immobilien kann notwendig sein, was jedoch zeitaufwendig sein kann.
Können Angehörige zur Kasse gebeten werden?
Ja, wenn Sozialhilfe beansprucht wird, können gut verdienende Kinder oder Eltern zu monatlichen Beiträgen verpflichtet werden.