Massive Schneefälle bedrohen die Schweizer Alpen
Die Schweiz steht vor einer aussergewöhnlichen Wettersituation: In den kommenden Tagen soll so viel Schnee fallen wie im gesamten bisherigen Winter. Die Kombination aus intensiven Niederschlägen und stürmischen Winden führt zu einer kritischen Lawinenlage, die besondere Vorsichtsmassnahmen erfordert.
Nordstaulage bringt extreme Schneemengen
Die meteorologische Ausgangslage ist eindeutig: Ein Hochdruckgebiet vor Portugal und ein Tiefdruckgebiet über der Nordsee haben sich so positioniert, dass eine starke nordwestliche Strömung direkt auf die Alpen gerichtet ist. Diese Konstellation führt zu einer klassischen Nordstaulage, die schubweise feuchte Atlantikluft in die Schweiz transportiert.
Stephanie Westerhuis von SRF Meteo, Atmosphärenwissenschaftlerin der ETH Zürich, erklärt die Dimension des Ereignisses: "Seit Sonntagabend bis Dienstagabend rechnen wir in den Alpen verbreitet mit einem halben bis zu einem ganzen Meter Schnee." Besonders betroffen sind das Wallis und der Alpennordhang, wo lokal sogar mehr als ein Meter Neuschnee möglich ist.
Kritische Lawinensituation erfordert Besonnenheit
Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF hat für grosse Teile der Alpen oberhalb von 2000 Metern die Gefahrenstufe "Gross" verhängt, die vierte von fünf möglichen Stufen. Diese Warnstufe tritt nur an etwa zwei Prozent aller Wintertage auf und signalisiert eine sehr kritische Situation.
Die Kombination aus Neuschnee und stürmischen Winden schafft besonders instabile Verhältnisse. Das SLF warnt explizit davor, dass auch grosse Lawinen bis in Täler vordringen und exponierte Verkehrswege treffen können. Spontane und oft sehr grosse Lawinen sind wahrscheinlich, Fernauslösungen typisch.
Empfehlungen für verantwortungsvolles Handeln
Für Personen ausserhalb gesicherter Gebiete gelten strenge Empfehlungen: Beschränkung auf mässig steiles Gelände und besondere Beachtung der Auslaufbereiche sehr grosser Lawinen. Unerfahrene sollten sich ausschliesslich auf geöffnete Abfahrten und Routen beschränken.
Die Schneefallgrenze liegt heute bei etwa 600 bis 1000 Metern und sinkt morgen weiter ab. In exponierten Lagen treten Sturmböen, lokal sogar Orkanböen auf. Diese Wetterlage verdeutlicht einmal mehr die Macht der Natur in unserem Alpenraum und die Notwendigkeit, ihr mit Respekt und Vorsicht zu begegnen.
Die aktuelle Situation unterstreicht die Bedeutung der schweizerischen Expertise im Bereich der Lawinenforschung und Wettervorhersage, die seit Jahrzehnten Leben schützt und internationale Anerkennung geniesst.