Hitze am Steuer: Sieben Prüfpunkte für Schweizer Fahrzeuge
Bei anhaltenden Hitzewellen in der Schweiz sind nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit von Fahrzeuglenkern, sondern auch die technische Zuverlässigkeit des Fahrzeugs beeinträchtigt. Eine systematische Kontrolle vor längeren Fahrten reduziert Risiken und erhöht die Verkehrssicherheit.
Warum beeinträchtigt Hitze die Fahrtüchtigkeit?
Temperaturen über 30 Grad Celsius belasten den menschlichen Organismus. Konzentration und Reaktionsvermögen nehmen messbar ab. Auf längeren Strecken empfiehlt sich die bewährte Regel: Spätestens alle zwei Stunden anhalten, aussteigen und den Kreislauf durch Bewegung und Flüssigkeitszufuhr stabilisieren. Die Aufmerksamkeit am Steuer bleibt dadurch erhalten.
Welche Gefahren entstehen im parkierten Fahrzeug?
Ein in der Sonne abgestelltes Auto erhitzt sich innert weniger Minuten auf lebensgefährliche Temperaturen. Die Wahl eines Schattenplatzes oder das Anbringen einer aussen angebrachten Sonnenschutzfolie mindern die Aufheizung. Unabhängig davon gilt: Kein Lebewesen, weder Kinder, Erwachsene noch Tiere, darf in einem parkierten Fahrzeug zurückgelassen werden. Der Touring Club Schweiz (TCS) warnt ausdrücklich vor dieser Lebensgefahr.
Verbrennungsgefahr durch heisse Oberflächen
Der deutsche ADAC weist darauf hin, dass Lenkräder, Gurte oder Kindersitze sich auf bis zu 80 Grad erhitzen können. Der TCS bestätigt, dass Verbrennungen bereits ab 45 Grad innerhalb weniger Sekunden eintreten. Vor dem Einsteigen empfiehlt sich ein kurzes Durchlüften des Fahrzeuginnern durch Öffnen von Heckklappe und Seitentüren, damit die heisse Luft entweichen kann.
Warum ist der Pneudruck bei Hitze entscheidend?
Egal ob Auto, Roller oder Töff: Vor längeren Fahrten ist die Kontrolle des Pneudrucks unerlässlich. Pneuhersteller Bridgestone empfiehlt die Messung bei kalten Reifen. Ein zu niedriger Druck verstärkt die Wärmeentwicklung und beeinträchtigt Verschleiss, Fahrstabilität und Bremsweg. Im schlimmsten Fall kann der Pneu platzen. Zusätzlich sollten Pneus auf Schäden und Alter kontrolliert werden.
Wie reagieren Fahrbahndecken auf Extremetemperaturen?
Heisser Asphalt in Kombination mit hohem Tempo und langen Strecken belastet Fahrer und Fahrzeug. Mit angepasster Geschwindigkeit lassen sich Eventualitäten wie Blow-ups besser beherrschen. Bei extremen Temperaturen können Fahrbahndecken plötzlich aufplatzen. Im Mai 2026 riss etwa der Asphalt auf der A13 im Kanton St. Gallen auf Höhe Sennwald auf, wobei sich auf beiden Fahrstreifen eine gefährliche Schanze bildete.
Welchen Einfluss hat Hitze auf die Starterbatterie?
Extreme Temperaturen beschleunigen die Selbstentladung der Starterbatterie. Die elektrochemischen Teile im Akku oxidieren schneller, was die Alterung vorantreibt. Die Folgen machen sich oft erst im Winter bemerkbar. Das Parkieren im Schatten verlangsamt diesen Prozess. Für die Batterien von Elektrofahrzeugen stellen hohe Temperaturen gemäss TCS hingegen kein Problem dar, da die Akkus im Unterboden nie direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Eine laufende Klimaanlage vermindere allerdings die Reichweite erheblich, und regelmässiges Schnellladen beanspruche den Akku zusätzlich.
Warum erfordern Wetterwechsel besondere Vorsicht?
Hitzeperioden enden im Sommer oft abrupt mit Gewittern, Starkregen oder Hagel. Die Strassenverhältnisse wechseln innert kurzer Zeit von trockenem, heissem Asphalt zu nasser Fahrbahn. Die Sicht verschlechtert sich, und Aquaplaning wird zur Gefahr. Diese wechselnden Bedingungen verlangen volle Aufmerksamkeit und angepasste Geschwindigkeit.
Fazit: Eigenverantwortung als Beitrag zur Verkehrssicherheit
Wer vor längeren Fahrten Pneudruck, Beladung und Batterie prüft, regelmässig Pausen einlegt und Geschwindigkeit den Bedingungen anpasst, handelt im Sinne der eigenen Sicherheit und derjenigen anderer Verkehrsteilnehmer. Die technische Vorsorge am Fahrzeug liegt in der Verantwortung des Lenkers. Sie ist Ausdruck jener Bürgerpflicht, die auch im Strassenverkehr gilt: Vorsorge statt Nachsorge.
Häufig gestellte Fragen
Ab welcher Temperatur besteht Verbrennungsgefahr im Auto?
Laut TCS können Verbrennungen ab 45 Grad innerhalb weniger Sekunden eintreten. Heisse Oberflächen wie Lenkräder oder Kindersitze erreichen Temperaturen bis zu 80 Grad.
Können Elektrofahrzeuge bei Hitze bedenkenlos gefahren werden?
Die Batterie von Elektrofahrzeugen ist laut TCS durch die Unterbodenplatzierung vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Eine laufende Klimaanlage reduziert die Reichweite jedoch erheblich.
Wie oft sollte man bei Hitzewellen Pausen einlegen?
Als Faustregel gilt: Spätestens alle zwei Stunden anhalten, aussteigen und den Kreislauf durch Bewegung und Flüssigkeitszufuhr stabilisieren.