Grindelwald plant SMS-Warnsystem gegen Overtourism
Die Jungfrauregion kämpft mit den Folgen des Massentourismus. Verstopfte Strassen, überfüllte Parkplätze und Fahrzeuge auf Privatgrund prägen das Bild. Die Gemeinden Grindelwald und Lauterbrunnen entwickeln nun innovative Lösungsansätze, stossen jedoch auf rechtliche Hindernisse.
Direktkommunikation als Lösung
Beat Bucher, Gemeindepräsident von Grindelwald, sieht in der direkten Handy-Kommunikation den Schlüssel zur Besucherlenkung. "Wir müssen die Gäste direkt und unkompliziert informieren", erklärt er gegenüber SRF. Herkömmliche Strasseninformationen reichten nicht mehr aus.
Das geplante System soll Echtzeitdaten zu Parkplätzen und Wartezeiten bei Bergbahnen liefern. Doch Bucher geht weiter: "Wir müssen den Leuten die Informationen direkt und ungefragt aufs Handy schicken." Besonders bei Tagestouristen sei dies die effektivste Methode.
Technische Machbarkeit trifft rechtliche Hürden
Die Gemeinde arbeitet mit der Universität Bern an einem dreijährigen Forschungsprojekt. Im Dezember bewilligte die Gemeindeversammlung 150'000 Franken für Verkehrskameras. Dino Collalti von der Universität Bern bestätigt die technische Machbarkeit der Touristenlenkung.
Das sogenannte Cell Broadcast-Verfahren würde Push-Mitteilungen ohne App ermöglichen. Doch Matthias Hürlimann vom Bundesamt für Kommunikation dämpft die Erwartungen: "Solche Formen der direkten Information sind eigentlich nur für Katastrophensituationen denkbar, nicht aber für die Regelung eines Alltagsproblems."
Datenschutz als Knackpunkt
Für kommerzielle Anwendungen ist eine Nutzereinwilligung zwingend erforderlich, sei es durch App-Download, QR-Code oder SMS-Abo. Gemeindepräsident Bucher sieht dennoch keine Datenschutzprobleme: "Wir gehen ja nicht davon aus, dass wir die Daten einzelner Leute aufnehmen."
Die Swisscom als grösste Mobilfunkanbieterin zeigt sich zurückhaltend. Sprecherin Annina Merk erklärt, man biete keinen Service für standortbezogene Informationsverteilung an. Rechtlich stellten sich viele Fragen.
Pionierarbeit für neue Herausforderungen
Trotz rechtlicher Hindernisse will Grindelwald die Grenzen des Möglichen ausloten. Bucher bezeichnet die Bemühungen als "Pionierarbeit", da neue Situationen innovative Lösungsansätze erfordern. Die zunehmenden Probleme des Overtourismus verlangen nach zeitgemässen Instrumenten.
Das Projekt zeigt exemplarisch die Spannungen zwischen touristischer Notwendigkeit, technischen Möglichkeiten und rechtlichen Rahmenbedingungen. Für die Schweizer Tourismusbranche könnte es wegweisend werden, sofern die regulatorischen Hürden überwunden werden können.