Fussball-WM im politischen Sog: Von Mussolini bis Trump
Nun hat es auch einen Schiedsrichter erwischt. Dem Somalier Omar Artan wurde in Miami trotz eines gültigen Visums die Einreise in die USA verweigert. Artan gilt als einer der besten seines Fachs auf dem Kontinent und wurde als Afrikas Schiedsrichter des Jahres ausgezeichnet. Doch Menschen aus Somalia sind in Donald Trumps Amerika unerwünscht.
Eine derartige Einmischung der Politik in einen der grössten Sportevents sollte eine scharfe Reaktion des Weltverbands FIFA zur Folge haben. Doch weit gefehlt. Die FIFA kann bestätigen, dass der Schiedsrichter Omar Artan nicht an der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 teilnehmen und dort Spiele leiten kann, teilte ein Sprecher der Agentur AFP mit. Es bleibt offen, ob dies das letzte Wort ist. Es passt jedoch zum unterwürfigen bis kriecherischen Verhalten der FIFA und ihres Präsidenten Gianni Infantino gegenüber dem US-Präsidenten.
Auch in anderen Fällen bekommt der Fussball Trumps harte Migrationspolitik zu spüren. Selbst die Schweiz war mit Breel Embolo betroffen. Die iranische Nationalmannschaft konnte erst mit Verzögerung einreisen, nicht jedoch ein Teil des Betreuerstabs. Vorsichtshalber verlegten die Iraner ihr WM-Quartier vom US-Bundesstaat Arizona in die mexikanische Grenzstadt Tijuana. Ihre Fans durften genauso wenig in die USA kommen wie jene aus Haiti oder der Demokratischen Republik Kongo.
FIFA drückt beide Augen zu
Schon vor dem Start der WM in Kanada, Mexiko und den USA am Donnerstag steht fest: Einmal mehr wird der Fussball durch die Politik kontaminiert. Und die FIFA drückt beide Augen zu. Es ist keineswegs das erste Mal. Schon bei früheren Turnieren mischte sich die Politik in den Sport ein. Eine Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Italien 1934: Faschismus auf dem Rasen
Diktator Benito Mussolini nutzte die zweite WM-Endrunde der Geschichte als Propagandavehikel für den Faschismus, ähnlich wie Adolf Hitler zwei Jahre später die Olympischen Sommerspiele in Berlin. Das bedeutete, dass das Heimteam den Titel holen musste. Dies geschah dank einer brutalen Spielweise und alles andere als unparteiischen Schiedsrichtern.
Der grösste Skandal ereignete sich im Viertelfinal-Wiederholungsspiel gegen Spanien, und verantwortlich dafür war mit René Mercet ein Schiedsrichter aus der Schweiz. Die Italiener siegten durch ein irreguläres Tor mit 1:0, während Mercet den Spaniern zwei korrekte Treffer und zwei Elfmeter verweigerte. Ähnlich lief es im vom Schweden Ivan Eklind geleiteten Halbfinal gegen das Wunderteam aus Österreich. Mussolini soll die jeweiligen Schiedsrichter persönlich ausgewählt haben. Unklar ist, wie weit Bestechung oder Druck im Spiel war.
Frankreich 1938: Die Eidgenossen stoppen Grossdeutschland
Im folgenden WM-Turnier sorgte vor allem der Auftritt der grossdeutschen Mannschaft für Kontroversen. Nach dem