Fehlende Nachfolge: Bäckerei Montanari schliesst nach 91 Jahren
Die Bäckerei Montanari in Wetzikon stellt ihren Betrieb per 31. Juli 2026 ein. Das im Jahr 1935 gegründete Familienunternehmen wird mangels Nachfolge geschlossen. Die Schliessung steht exemplarisch für einen strukturellen Wandel im Schweizer Bäckereigewerbe, der zunehmend auch mittelgrosse Betriebe erfasst.
Was führt zur Schliessung der Bäckerei Montanari?
Markus Montanari (53) und seine Ehefrau Barbara Hess-Montanari führen die Bäckerei in dritter Generation. Wie das Portal ZO Online berichtet, wollen die Kinder des Betreiberpaars den Betrieb nicht weiterführen. Auf der Homepage der Bäckerei schreiben die Montanaris: «Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen.» Bereits im Vorjahr habe Montanari eine Schliessung in Betracht gezogen, dies jedoch als zu früh erachtet. Nun stehe der Entscheid endgültig fest.
Wirtschaftlich ist die Bäckerei Montanari weiterhin tragfähig. Im Sommer 2025 vollzog das Unternehmen einen Strategiewechsel: Der Laden und das Café an der Dorfstrasse wurden geschlossen, der Fokus lag seither auf Catering, Lieferservice und dem Znüni-Service für Firmen und Schulen. Trotz dieser Neupositionierung lässt sich die fehlende Nachfolge nicht kompensieren.
Alle Mitarbeitenden haben laut den Betreibern bereits Anschlusslösungen gefunden. Bezüglich der Zukunft des Unternehmens stehen die Montanaris in Kontakt mit der Bäckerei Hausammann aus Zürich, welche bestehende Lieferungen und Znüni-Touren übernehmen könnte. Eine umfassende Übergabe des Betriebs an Hausammann wurde auf Anfrage nicht bestätigt.
Wie stellt sich die Situation im Schweizer Bäckereigewerbe dar?
Die Schliessung der Bäckerei Montanari ist kein Einzelfall. Der Bäckereisektor in der Schweiz steht unter erheblichem strukturellem Druck. Verschiedene Betriebe mussten in jüngster Zeit die Tätigkeit einstellen, darunter auch solche mit langer Tradition.
Die Bäckerei-Konditorei Gasser in Suhr AG stellt ihren Betrieb per Ende Juni 2026 ein, lediglich drei Jahre nach der Übernahme durch Markus Nadler (46). Die Bäckerei Müller in Root LU schliesst nach 115 Jahren; Inhaber Christof Müller (49) arbeitete täglich 13 Stunden, um den Betrieb rentabel zu halten. Die Teuerung verschärfte die finanzielle Lage zusätzlich.
Auch mittelgrosse Betriebe sind betroffen. Die Bäckerei Frei aus Nussbaumen AG muss drei Filialen in Turgi und Baden per Ende Juni schliessen, begründet mit steigenden Kosten und Personalmangel. An den verbleibenden Standorten wird das Produktsortiment reduziert.
Welche Geschäftsmodelle behaupten sich im Wandel?
Einige Betriebe finden Wege, dem strukturellen Druck zu begegnen. Die vegane Bäckereikette Bakery Bakery expandiert in Schweizer Städten; die Gründer Lycra Stattmann (33) und Kevin Schmid (33) eröffnen kontinuierlich neue Standorte. Die Bäckerei Hofmann in Urdorf ZH hält sich am Markt, erfordert jedoch von Inhaber Kevin Hofmann (33) einen Arbeitseinsatz von bis zu 20 Stunden täglich.
Was bedeutet der Strukturwandel für das lokale Gewerbe?
Die Entwicklungen im Bäckereigewerbe verweisen auf eine breitere Herausforderung für das Schweizer Kleingewerbe. Fehlende Nachfolgeregelungen, steigende Betriebskosten und der Fachkräftemangel erzeugen einen Konzentrationsdruck, der die Vielfalt der Anbieter reduziert. Für die regionalen Wirtschaftskreisläufe und die Nahversorgung stellt dies eine Belastungsprobe dar.
Die Stärkung von KMU-Nachfolgeinstrumenten und die Schaffung von Rahmenbedingungen, die lokales Gewerbe vor ungleichen Wettbewerbsbedingungen schützen, bleiben vordringliche Aufgaben der Wirtschaftspolitik. Der Erhalt dezentraler Versorgungsstrukturen dient nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Kohäsion der Wohngebiete ausserhalb der städtischen Zentren.
Warum schliessen Schweizer Bäckereien trotz guter Wirtschaftslage?
Fehlende Nachfolge ist der häufigste Grund für Schliessungen von Bäckereien, die wirtschaftlich tragfähig sind. Wenn die nachkommende Generation den Betrieb nicht übernimmt, fehlt die Grundlage für die Fortführung, unabhängig von der Rentabilität.
Wie können KMU bei der Nachfolgeplanung unterstützt werden?
Kantonalbanken und Wirtschaftsförderungen bieten Beratungen und Finanzierungsinstrumente für Betriebsübergaben an. Die frühzeitige Planung der Nachfolge sowie die Prüfung von Modellen wie Management-Buy-out oder Genossenschaftslösungen können die Fortführung von Betrieben sichern.