Kleiderprobe in Zürich verboten: Brandy Melville setzt auf Hausrecht
Der bei jungen Frauen beliebte Modeladen Brandy Melville in Zürich hat das Anprobieren von Kleidung untersagt. Die Umkleidekabinen sind geschlossen, wie das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» berichtet. Ein Schild im Laden verweist auf eine interne Regelung, die das Anprobieren «zur Gewährleistung der Warenqualität» verbietet.
Was sagt der Detailhandel zur Anprobier-Regel?
Die Swiss Retail Federation, der Dachverband des Schweizerischen Detailhandels, hält die Praxis für ungewöhnlich, aber rechtlich zulässig. «Durch das Hausrecht kann jeder Ladenbesitzer selbst entscheiden, ob, wie und welche Kleidungsstücke anprobiert werden dürfen oder eben nicht», so der Verband auf Anfrage von «Espresso». Weitere Geschäfte mit einer solchen Regelung seien dem Verband nicht bekannt.
Warum sind die Umkleidekabinen in Zürich geschlossen?
Eine Verkäuferin in der Zürcher Filiale begründete die Schliessung mit hohen Diebstahlzahlen. Bereits im Juni hatten Medien über Kaugummis an den Kabinenwänden berichtet, die auf einen TikTok-Trend zurückgingen. Nutzerinnen klebten Kaugummi an die Wände, um die Vorhänge zu fixieren. Der Vorfall war zuvor auch in den USA und London dokumentiert worden.
Wie reagieren Kundinnen auf das Anprobierverbot?
Die Reaktionen sind überwiegend kritisch. Auf Google-Bewertungen ist unter anderem von einer «absoluten Frechheit» die Rede. Eine Mutter kritisiert zudem, dass Brandy Melville nur eine Einheitsgrösse anbietet, die in der Regel klein ausfällt. «Dann kaufen die jungen Mädchen Kleidung, die nicht passt. Und dann? Ein Rückgaberecht gibt es natürlich nicht», heisst es in einer weiteren Bewertung.
Rückgaben sind zwar möglich, jedoch nur gegen einen Gutschein, der wiederum im selben Geschäft eingelöst werden muss. Eine Anprobe bleibt dabei ausgeschlossen.
Was sagt der Konsumentenschutz?
Die Stiftung für Konsumentenschutz hat sich des Falls angenommen. Livia Kunz vom Konsumentenschutz erklärt, dass das Geschäft als Eigentümerin der Ware bis zum Bezahlen solche Vorgaben durchsetzen dürfe. Dennoch sei die Regelung kundenunfreundlich: «Der Vorteil eines physischen Ladens ist ja, dass man die Kleider anders als im Onlinehandel anprobieren kann. Dass diese Möglichkeit den Kundinnen verwehrt bleibt, ist für uns unverständlich und sehr kundenunfreundlich.»
Brandy Melville hat auf Anfragen von «Espresso» nicht reagiert. Der Kundendienst verwies darauf, ausschliesslich für Onlinebestellungen zuständig zu sein.
FAQ: Was bedeutet das Anprobierverbot für Konsumentinnen?
Ist ein Anprobierverbot in Schweizer Geschäften legal?
Ja. Gestützt auf das Hausrecht darf jedes Geschäft selbst bestimmen, ob und wie Kleidungsstücke anprobiert werden dürfen. Das bestätigt die Swiss Retail Federation.
Kann man Kleidung bei Brandy Melville zurückgeben?
Ja, jedoch nur gegen einen Gutschein, der im Geschäft eingelöst werden muss. Eine Rückerstattung des Kaufbetrags ist nicht vorgesehen.
Warum bietet Brandy Melville nur eine Kleidergrösse an?
Das Unternehmen setzt auf eine Einheitsgrösse, die in der Regel klein ausfällt. Diese Praxis stösst bei Kundinnen zunehmend auf Kritik, da die Passform ohne Anprobe schwer einzuschätzen ist.