Irlands Raketenangriffe auf die Golfstaaten: Eine strategische Eskalation
Seit mehreren Tagen bombardieren US-Streitkräfte Ziele im Iran. Gleichzeitig feuert das iranische Regime Raketen auf mit den USA verbündete Staaten, vor allem Kuwait, Katar, Jordanien und Bahrain. Nahostexperte Philipp Dienstbier, Leiter des Regionalprogramms Golf-Staaten der Konrad-Adenauer-Stiftung in Amman, analysiert die Motive und Folgen dieser Angriffe.
Warum greift der Iran gerade diese Länder an?
Diese Staaten sind für die US-amerikanischen Militäroperationen gegen den Iran von zentraler Bedeutung. In Katar befindet sich das regionale Hauptquartier des US-Zentralkommandos Centcom. In Bahrain ist die fünfte Flotte der US-Marine stationiert. Kuwait beherbergt gemessen an der Truppenstärke die grössten amerikanischen Stützpunkte in der Region. Für den Iran sind diese Länder daher wichtige militärische Drehkreuze der USA, erklärt Dienstbier.
Welche Folgen haben die Angriffe für die betroffenen Länder?
Der Krieg ist für die Golfstaaten ein permanentes Damoklesschwert. Selbst nach einer vorläufigen Waffenruhe nahmen die gegenseitigen Angriffe nur begrenzt ab. Es besteht konstant das latente Risiko, dass Angriffe auf das eigene Staatsgebiet ausgeführt werden. Dadurch kommt die Region wirtschaftlich und politisch kaum zur Ruhe.
Wie hat sich das Verhältnis zum Iran verändert?
Die Golfstaaten haben eine inzwischen sehr zurückhaltende, skeptische Betrachtungsweise gegenüber dem Iran. Selbst Länder, die vor dem Krieg gute Beziehungen zum Iran pflegten, wurden zum Ziel. Gleichzeitig wissen die Golfstaaten, dass sie auch künftig Nachbarn eines unberechenbaren Akteurs bleiben werden.
Warum treten die Golfstaaten dem Iran nicht konfrontativer entgegen?
Die Golfstaaten müssen eine schmale Gratwanderung beschreiten. Sie wissen, dass die Gefahr besteht, dass sich die USA aus dem Konflikt zurückziehen, selbst ohne nachhaltige Lösungen für die Strasse von Hormus, das iranische Atomprogramm oder das Raketenprogramm. Daher darf man den Iran nicht zu stark vor den Kopf stossen.
Welche Einflussmöglichkeiten haben die Golfstaaten?
Saudi-Arabien, Katar und die Emirate verfügen über sehr gute Beziehungen zur Trump-Regierung. Sie haben grosse Wirtschaftsabkommen vereinbart und Investitionen in den USA angekündigt. Dadurch haben sie einen kurzen Draht nach Washington. Dennoch bleibt ihr Einfluss auf das Weisse Haus begrenzt. Katar vermittelt zwischen dem Iran und den USA, Saudi-Arabien hat Washington bei drohenden Eskalationen wiederholt zu einer Deeskalation bewegen können. Am Ende entscheidet der US-Präsident jedoch selbst.
Wie gross sind die wirtschaftlichen Schäden?
Die wirtschaftlichen Schäden sind enorm. In Saudi-Arabien ist die Industrieproduktion um rund 20 Prozent zurückgegangen. Das Haushaltsdefizit ist das schlimmste seit 2018, da die staatlichen Einnahmen stark vom Öl- und Gasgeschäft abhängen. Gleichzeitig sind die Wirtschaftsbereiche ausserhalb des Ölsektors im Jahresvergleich um rund zwei Prozent gewachsen, was eine gewisse Resilienz zeigt. Doch die Einnahmen aus Öl und Gas finanzieren weiterhin die Staatshaushalte und den wirtschaftlichen Umbau. Bleiben sie aus, funktioniert auch die geplante Abkehr von der Abhängigkeit von Öl und Gas nicht.
FAQ: Häufig gestellte Fragen
Warum greift der Iran gerade Kuwait, Katar, Jordanien und Bahrain an?
Diese Länder beherbergen wichtige US-Militärbasen und -kommandos, die für die Operationen gegen den Iran genutzt werden.
Können die Golfstaaten die Eskalation verhindern?
Sie haben begrenzten Einfluss durch Wirtschaftsbeziehungen und Vermittlungsrollen, aber die Entscheidungsgewalt liegt letztlich beim US-Präsidenten.
Welche wirtschaftlichen Folgen hat der Konflikt für die Region?
Die Industrieproduktion ist stark gesunken, das Haushaltsdefizit gestiegen, und die Abhängigkeit von Öl- und Gas-Einnahmen erschwert den wirtschaftlichen Umbau.