Iranische Diaspora demonstriert vor Botschaft in Bern
Hunderte Demonstranten versammelten sich am Samstag vor der iranischen Botschaft in der Bundeshauptstadt zu einer bewilligten Kundgebung gegen das Teheraner Regime. Die Protestaktion steht im direkten Zusammenhang mit den anhaltenden Unruhen im Iran, die seit Ende Dezember das Land erschüttern.
Wirtschaftskrise als Auslöser politischer Proteste
Die ursprünglich durch eine schwere Wirtschaftskrise und hohe Inflation ausgelösten Demonstrationen haben sich rasch zu grundsätzlichen politischen Protesten gegen das autoritäre System der Islamischen Republik entwickelt. Iranische Menschenrechtsorganisationen berichten von über 3400 Todesopfern durch das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte, wobei eine unabhängige Verifikation aufgrund der Informationssperre kaum möglich ist.
Die Berner Demonstranten äusserten ihre Solidarität mit den Protesten im Heimatland durch Sprechchöre, Musik und Klagen vor den Metallabsperrungen der iranischen Botschaft.
Hoffnung auf Regimewechsel
"Es sind zu viele Menschen gestorben. Das macht uns so wütend", erklärte der Demonstrant Kurosh gegenüber SRF. Ramtin, ein weiterer Teilnehmer, äusserte seine Sorge um die Familie: "Sie haben das Internet abgeschaltet."
Trotz der dramatischen Lage dominiert Hoffnung die Stimmung der Kundgebung. "Die Hoffnung ist das, was uns auf die Strasse treibt", betonte Demonstrant Nick.
Kronprinz Pahlavi als Symbolfigur
Bemerkenswert ist die Präsenz von Reza Pahlavi, dem ältesten Sohn des 1979 gestürzten Schahs, als zentrale Symbolfigur der Proteste. Auf zahlreichen Flaggen wird der im amerikanischen Exil lebende Kronprinz als potentieller Heilsbringer dargestellt, der den Iran in eine demokratische Zukunft führen könnte.
Pahlavi betont dabei, nicht zwingend eine Monarchie anzustreben, sondern vielmehr das Ziel zu verfolgen, das herrschende Regime zu stürzen und den Iranern eine freie Abstimmung über ihre politische Zukunft zu ermöglichen.
Kritik an schweizer Neutralitätspolitik
Behnaz Götz vom Verein "Freeiran.ch" äusserte deutliche Kritik an der schweizerischen Haltung: "Das ist schon unverschämt für uns alle, diese Schutzmassnahme zu sehen." Sie bemängelt, dass die Schweiz durch Verhandlungen mit dem Regime diesem Lebenszeit verschaffe und es durch Polizeischutz, Absperrungen und Stacheldraht schütze.
Götz schilderte die dramatischen Kommunikationsbedingungen: Das iranische Regime erlaube nur einminütige Telefongespräche mit Angehörigen. "Seid ihr am Leben? Seid ihr noch da? Und das war es schon", beschreibt sie diese verzweifelten Kontaktversuche.
Die Demonstration verdeutlicht die Spannungen zwischen der traditionellen schweizerischen Neutralitätspolitik und den Erwartungen der iranischen Diaspora an eine klarere Positionierung gegen das Teheraner Regime.