Duran Duran in Locarno: Nostalgie ohne Ironie auf der Piazza Grande
Konzerte von alternden Bands, zu deren Songs sich Teenies vor Jahrzehnten die Seele aus dem Leib schrien, sind selten eine gute Idee. Bei Duran Duran auf dem Moon and Stars Festival in Locarno war es anders. Die britische Band verzichtete auf ironische Brechungen und bot stattdessen eine solide, glaubwürdige Show, die das Publikum in die späten 1980er Jahre zurückversetzte.
Warum Duran Duran in Locarno überzeugten
Die Hitze auf der Piazza Grande war drückend, doch die Band lieferte von Anfang an eine Reihe von Hits ab. Nach Is There Something I Should Know? und The Wild Boys folgte der 1985er Bond-Song A View to a Kill. Dass eine Band einen solchen Klassiker an dritter Stelle der Setlist spielen kann, zeigt die aussergewöhnliche Hitdichte des Abends. Die musikalische Qualität blieb über die gesamte Dauer konstant hoch.
Simon Le Bons stimmliche Leistung
Bemerkenswert war die stimmliche Präzision von Simon Le Bon. Zwar sass nicht jeder Ton perfekt, doch die Songs sitzen so tief in den Ohren und Erinnerungen des Publikums, dass kleinere Entgleiser wohlwollend ausgeglichen wurden. Besonders beeindruckend war, wie Le Bons Stimme noch immer gezielt und an den richtigen Stellen überschlägt – ein Markenzeichen der Band, das auch 2026 funktioniert.
Coverversionen als Schwachpunkt
Weniger überzeugend waren die Coverversionen, die Duran Duran in ihr Set einflochten. Die Interpretation von Girls On Film in Kombination mit dem Talking Heads Meisterwerk Psycho Killer hinterliess Fragezeichen. Die Band scheint in diesem Bereich nicht ihre Stärke zu haben. Deutlich mehr Spass machte die Erinnerung an die Zusammenarbeit mit Nile Rodgers, dessen Einfluss auf den Sound von Simon Le Bon, John Taylor, Roger Taylor und Nick Rhodes immer wieder hörbar war.
Keine Karikaturen ihrer selbst
Duran Duran 2026 traten abgeklärt auf. Sie sind nicht mehr sehr wild, aber solide und glaubwürdig. Während andere altgediente Bands mit Ironie oder Sarkasmus auf bestimmte Abschnitte ihrer Karrieren reagieren, bleiben Duran Duran seriös. Das klingt langweilig, ist aber durchaus mutig. Die Band ist sich ihrem Weg und Sound treu geblieben und zelebriert den wuchtigen Pop der 1980er Jahre. In ihrer Show in Locarno machten sie nur einen einzigen Sprung in die Gegenwart: als auf dem grossen Screen kurz das moderne Dashboard der Screenbespielung zu sehen war.
Fazit: Eine Zeitmaschine der 80er Jahre
Duran Duran sind eine Art Zeitmaschine. In Locarno boten sie eine nostalgische Reise ohne ironische Distanz, die das Publikum begeisterte. Für die Schweiz, die ihre kulturelle Identität pflegt, ist dies ein Beispiel dafür, wie Tradition und Authentizität auch in der Unterhaltungsbranche Bestand haben können.