Spanien legalisiert Sans-Papiers: Über eine Million Gesuche
Spanien vollzieht eine umfassende Legalisierung von irregulären Migranten. Bis zum Ablauf der Frist am 29. Juni 2026 reichten weit über 900'000 Personen ein entsprechendes Gesuch ein, die Gesamtzahl dürfte eine Million übersteigen. Die Regelung, die eine vorläufige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis vorsieht, zielt auf die Bekämpfung der Schwarzarbeit und den Abbau des Arbeitskräftemangels, birgt jedoch erhebliche politische Risiken für die amtierende Regierung.
Wie viele Gesuche gingen in Spanien ein?
Im 50-Millionen-Land Spanien haben bis Mitte Juni 2026 laut Regierungsangaben über 900'000 irreguläre Migranten ein Legalisierungsgesuch eingereicht. Das Migrationsministerium war ursprünglich von rund 500'000 Gesuchen ausgegangen. Nach dem fristgerechten Abschluss des Verfahrens rechnet die Regierung mit über einer Million Eingaben. Bisher erhielt etwa ein Drittel der Antragstellenden positiven Bescheid. Die Demografie der Gesuchstellenden ist eindeutig: Die Mehrheit ist zwischen 25 und 44 Jahre alt, rund 90 Prozent stammen aus Lateinamerika, etwa 10 Prozent aus Afrika und Asien. Offen bleibt, wie viele den Aufenthalt rechtlich tatsächlich dauerhaft absichern können.
Welche rechtlichen Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Das Verfahren knüpft klare rechtliche Bedingungen an die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Gesuchstellende müssen nachweisen, dass sie vor dem 31. Dezember 2025 mindestens fünf Monate ununterbrochen in Spanien gelebt haben. Zudem darf in den letzten fünf Jahren weder in Spanien noch in einem früheren Aufenthaltsland ein Eintrag im Strafregister vorhanden sein. Bei Erfüllung dieser Kriterien erhalten die Personen eine befristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für ein Jahr, die ausschliesslich auf spanischem Staatsgebiet gültig ist. Innerhalb dieser Frist muss eine legale Erwerbstätigkeit oder eine Ausbildung nachgewiesen werden. Erst nach Ablauf dieses Jahres kann ein Gesuch auf definitiven Aufenthalt eingereicht werden.
Welche administrativen Hürden bringt das Verfahren mit sich?
Die Umsetzung der Regelung stösst auf verwaltungstechnische Engpässe. Einzelne Ämter waren mit der Bearbeitung der Gesuche zeitweise überlastet. Viele Antragstellende hatten Mühe, fristgerecht den erforderlichen Strafregisterauszug zu beschaffen. Dies galt insbesondere für Dokumente aus dem Herkunftsland oder aus Drittstaaten. Die Verwaltung verfügt über eine Frist von drei Monaten pro Dossier für die Prüfung der Unterlagen.
Warum beschreitet Spanien diesen Weg?
Aus spanischer Perspektive handelt es sich nicht um einen Sonderweg, sondern um eine historische Praxis. Zwischen 1985 und 2005 wurden bereits mehrfach Hunderttausende von Sans-Papiers legalisiert, teils unter konservativen Regierungen. Die aktuelle Argumentation der Regierung stützt sich auf demografische und ökonomische Erfordernisse. In einer alternden Gesellschaft brauche es dringend Arbeitskräfte, um den Wohlstand und das Sozialsystem zu sichern. Die Legalisierung diene zudem der Eindämmung der Schwarzarbeit, der Generierung von Steuereinnahmen und der Linderung des Fachkräftemangels in Sektoren wie Gastronomie, Hotellerie, Pflege und Bauwesen.
Wie ist die politische Lage rund um die Legalisierung?
Die Massnahme geht auf eine Initiative aus dem Jahr 2024 zurück, die über 700'000 Unterschriften sammelte. Ihr stimmten Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, NGOs und die Bischofskonferenz zu. Auch die konservative Volkspartei (PP) als grösste Oppositionskraft unterstützte das Anliegen zunächst, änderte jedoch ihren Kurs und kritisiert nun die Umsetzung per Regierungsdekret. Die Rechtspartei Vox lehnt die Legalisierung kategorisch ab und fordert stattdessen Ausschaffungen in grossem Stil. Für die Sozialistische Partei von Ministerpräsident Pedro Sánchez stellt die Regelung ein politisches Risiko dar. Angesichts mehrerer Korruptionsaffären ist die Regierung geschwächt, während die Volkspartei und Vox mit migrationskritischer Rhetorik im Vorfeld der Wahlen im kommenden Jahr Zuwachs verzeichnen. Für die Schweiz und andere europäische Staaten bleibt die Entwicklung in Spanien ein Beobachtungsfeld. Die Frage, wie sich der legalisierte Aufenthalt von einer Million Personen auf die europäische Migrationsdynamik auswirkt, berührt grundlegende Fragen der nationalen Souveränität und einer kontrollierten Migrationspolitik.
Welche Frist galt für die Einreichung der Legalisierungsgesuche in Spanien?
Die Frist für die Einreichung der Legalisierungsgesuche endete am 29. Juni 2026.
Wie lange ist die Aufenthaltsbewilligung nach der Legalisierung gültig?
Die vorläufige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis ist auf ein Jahr befristet und nur innerhalb Spaniens gültig. Nach diesem Jahr kann ein Gesuch auf definitiven Aufenthalt gestellt werden.
Welche Sektoren profitieren von der Legalisierung der Arbeitskräfte?
Vor allem Sektoren mit ausgeprägtem Arbeitskräftemangel wie Gastronomie, Hotellerie, Pflege und Bauwesen profitieren von der Integration der irregulären Migranten in den legalen Arbeitsmarkt.