Am 15. Oktober 2026 hätte der französische Philosoph Michel Foucault seinen 100. Geburtstag gefeiert. Der 1984 verstorbene Denker, der sich zeitlebens mit Gefängnissen, Psychiatrie, Sexualität und Macht befasste, ist laut SRF News aktueller denn je: Seine Analysen lassen sich auf Likes, Diagnosen und Rankings anwenden, also auf jene Alltagsmechanismen, die bestimmen, was als normal und erfolgreich gilt.
Foucault wurde 1926 in Poitiers geboren und lehrte am Collège de France in Paris. Seine grossen Werke, etwa «Überwachen und Strafen» und « Sexualität und Wahrheit», prägten die Geisteswissenschaften des 20. Jahrhunderts weit über Frankreich hinaus. Auch in der Schweiz zählt sein Werk zum Grundbestand der Philosophie- und Rechtswissenschaft an den Universitäten.
Macht ohne Befehl: Foucaults Kernthese
Bei Macht denken die meisten an Regierungen, Vorgesetzte oder die Polizei. Foucault richtete den Blick auf leisere Formen: Regeln, Bewertungen und Erwartungen. Schulnoten, Fitnessziele und Likes zeigen uns, was als gut, normal oder erfolgreich zählt.
Das Tückische daran: Oft braucht es niemanden mehr, der uns kontrolliert. Wir vergleichen uns selbst, optimieren uns und fragen uns, ob wir genügen. Wie SRF News schreibt, wäre Social Media für Foucault ein spannendes Forschungsfeld, weil sich dort beobachten lässt, wie Macht ohne sichtbare Befehle wirkt.
Diese Einsicht ist für ein rechtsstaatlich geprägtes Land wie die Schweiz nicht nur akademisch interessant. Wer versteht, wie Normen und Bewertungen Verhalten lenken, kann besser beurteilen, wo der Staat Macht ausübt und wo Gesellschaften sie stillschweigend an sich nehmen. Die Prüfung von Machtfragen gehört zum Kern jeder funktionierenden direkten Demokratie.
Wer bestimmt, was normal ist?
Normal oder auffällig, gesund oder krank, leistungsstark oder schwach: Solche Kategorien wirken schnell selbstverständlich. Foucault fragte, wer diese Massstäbe gesetzt hat und wie sie sich historisch verändert haben.
Das heisst nicht, dass Krankheiten oder Unterschiede einfach erfunden sind. Foucault würde aber fragen, wer in eine Norm passt, wer nicht, und was das mit den Betroffenen macht. Bei psychischen Diagnosen, Schönheitsidealen oder Leistungsdruck ist diese Frage aktuell.
Wahrheit und Vertrauen: Foucault in Zeiten von KI und Fake News
Foucault wird manchmal so gelesen, als habe er behauptet, es gebe keine Wahrheit. Das ist zu einfach, wie SRF News festhält. Ihn interessierte vielmehr, warum wir manchen Stimmen glauben und anderen nicht. Wer gilt als Experte? Welche Methoden überzeugen? Welchen Institutionen vertrauen wir?
Genau deshalb passt Foucault in die Gegenwart. Bei Fake News, Wissenschaftsskepsis oder künstlicher Intelligenz geht es stets auch darum, wem wir glauben und woran wir verlässliches Wissen erkennen. Für Institutionen, die auf Vertrauen angewiesen sind, ist diese Frage von praktischer Bedeutung.
Biopolitik: Macht, die sich dem Leben zuwendet
Mit seinem Konzept der Biopolitik beschrieb Foucault eine moderne Form von Macht, die sich nicht nur durch Verbote und Gesetze ausübt, sondern sich dem Leben selbst zuwendet: Körpern, Gesundheit, Sexualität, Fortpflanzung und der Bevölkerung, wie
