Dieselpreis auf Rekordhoch: Wie die Schweiz an der Zapfsäule reagiert
Der durchschnittliche Dieselpreis in der Schweiz hat mit 2.41 Franken pro Liter einen neuen Höchststand erreicht. An der günstigen Agrola-Tankstelle in Lufingen ZH zeigen sich die Kundinnen und Kunden gespalten: von Empörung über die Teuerung bis zu Gelassenheit angesichts der Lage. Die Gründe für den Preisanstieg sind vielfältig, die Reaktionen der Betroffenen ebenso.
Warum ist der Dieselpreis in der Schweiz so stark gestiegen?
Die aktuellen Preise sind die Folge mehrerer Faktoren. Konflikte und brennende Raffinerien im Nahen Osten sowie der tiefe Wasserstand des Rheins haben Diesel zu einem knappen und teuren Gut gemacht. Am Freitag erreichte der durchschnittliche Literpreis in der Schweiz mit 2.41 Franken einen neuen Allzeitrekord. Die Preise variieren jedoch stark: Die Agrola-Zapfsäule in Lufingen bietet Diesel für 2 Franken und 25 Rappen pro Liter an und zählt damit zu den günstigsten im Zürcher Unterland.
Wie erleben Pensionäre die Teuerung an der Zapfsäule?
Tomasino, gerade aus den Ferien auf Sardinien zurückgekehrt, tankt seinen Volvo-Occasion und bezahlt für rund 60 Liter exakt 132 Franken und 14 Rappen. Für den Pensionär ist das viel Geld, drei Jahre habe er für die drei Wochen Ferien gespart. Eigentlich würde er gerne ein Elektroauto fahren, doch die Preise seien unrealistisch. Seine Bilanz fällt ernüchternd aus: „Miete, Krankenkasse, Strom, Handy, Essen: Alles wird teurer.“
Marcel, ebenfalls Pensionär und mit einem Mercedes-Bus unterwegs, drückt seinen Unmut deutlicher aus: „Es ist grausam und unverschämt, dass man auf den kleinen Leuten mit diesen Preisen herumhackt.“ Er tankt aus Prinzip höchstens für 30 Franken und würde sofort an einer Demonstration gegen hohe Spritpreise teilnehmen. Seine Sorge gilt den Enkeln: „Ich habe drei Enkel. Manchmal frage ich mich, was ihre Zukunft bereithält.“
Welche historischen Vergleiche ziehen die Betroffenen?
Marcel erinnert sich an seine Kindheit in den 70er-Jahren, die er als wunderbar bezeichnet. Die Ölkrise von 1973, ausgelöst durch den Jom-Kippur-Krieg, führte zu autofreien Sonntagen und einer schweren Rezession. „Immerhin gab es damals weniger Autos auf den Strassen“, sagt Marcel, der heute zu viele Fahrzeuge sieht.
Eine Operationstechnikerin, deren Eltern Ende der 60er-Jahre aus Jugoslawien in die Schweiz einwanderten, ordnet die Gegenwart anders ein: „Klar schmerzen die Preise, aber es könnte schlimmer sein. In der Schweiz haben wir es heute vergleichsweise gut.“ Sie erinnert sich an Ferien im heutigen Slowenien, wo es zeitweise kein Waschpulver und keinen Kaffee gab. Sie fährt oft mit dem E-Bike zur Arbeit und findet: „Wer nur zum Spass herumfährt, muss nicht über die Preise jammern.“
Wie unterscheidet sich die Schweizer Einstellung von der deutschen?
Ein 40-jähriger Tierarzt aus Deutschland, der in der Schweiz lebt, zeigt sich gelassen. Er tanke nie voll und müsse sich keine Sorgen machen. Ihn verwundert, dass der Dieselpreis in der Schweiz trotz höherer Löhne ähnlich hoch oder teils tiefer liegt als in Deutschland, wo der Durchschnittspreis aktuell 2 Euro und 47 Cent beträgt. „In Deutschland ist der Sprit eines der bestimmenden Themen. In der Schweiz ist das Motto eher: ‚Augen zu und durch‘“, sagt er. Das Vertrauen in den Staat sei hierzulande grösser, während Meckern in Deutschland eine Tugend sei.
Wie reagieren Autofahrer auf die Preisdifferenzen?
Eine 44-jährige Autofahrerin, die anonym bleiben möchte, wählt ihre Tankstelle bewusst. Sie hätte auch in Bülach tanken können, nahm aber für den tieferen Preis in Lufingen die Rückfahrt in Kauf. Sie fährt einen Benziner, dessen Literpreis in Lufingen bei 2 Franken und 5 Rappen liegt, ebenfalls ein vergleichsweise guter Wert. „Man fragt sich, wann der Preisanstieg endlich aufhört“, sagt sie, betont aber, dass sie und ihr Mann keine Freizeitaktivitäten streichen müssten.
Was bedeutet der Preisanstieg für die Schweizer Bevölkerung?
Die Reaktionen an der Zapfsäule in Lufingen zeigen ein breites Spektrum: von Empörung über Nostalgie bis zu pragmatischer Gelassenheit. Während einige die Teuerung als unverschämt empfinden, verweisen andere auf die vergleichsweise stabile Lage in der Schweiz. Der Dieselpreis bleibt ein sensibles Thema, das existenzielle Sorgen, historische Erinnerungen und das Verhältnis zum Staat berührt. Für die Bürgerinnen und Bürger stellt sich die Frage, wie nachhaltig Mobilität in Zeiten steigender Energiekosten finanziert werden kann.